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1 (1843)
Entstehung
Seite
54
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54 Erster Tag. Vierte Geschichte.

lichkeit und Jugendfrische weder Nachtwachen noch Fastenzu bändigen vermochten. Als dieser eines Tages um dieMittagszeit, wo alle andern Mönche schliefen, bei derKirche, die gar einsam gelegen war, umherging, trafenseine Augen auf eine ganz hübsche Bauerdirne, die einemder Feldarbeiter zugehören mochte und jetzt auf den Fel-dern Kräuter lesen ging. Nicht sobald hatte er sie gese-hen, als die Lüsternheit ihm gewaltig zusetzte. Er machtesich an sie, fing mit ihr zu plaudern an, und ein Wortgab das andere, bis sie endlich mit einander einig wurden,und er, ohne von Jemand bemerkt zu werden, sie ausseine Zelle führte. Während er nun, von allzugroßer Lusthingerissen, etwas unvorsichtig mit ihr scherzte, geschah es,daß der Abt, der inzwischen ausgestanden war und leisevor der Zelle unseres Mönches vorüberging, das Geflüsterdieser Beiden vernahm. Um die Stimmen besser zu un-terscheiden, näherte er sich leise der Zellenthür, und alser nun deutlich erkannte, daß innen ein Frauenzimmer sei,war er im Begriff, sie sich aufthun zu lassen. Dann beschloßer aber, es damit anders zu halten, und kehrte auf seinZimmer zurück, um dort abzuwarten, bis der Mönch her-auskommen würde.

Obgleich dieser inzwischen in dem Genüsse des Mäd-chens das höchste Behagen gefunden, so hatte ihn dochdie Angst niemals verlassen, und da es ihm vorge-kommen war, als hörte er vom Schlafsaale her Fuß-tritte, so legte er das Auge an eine kleine Oeffnung der

Thür und sah deutlich den Abt dastehen und ihn behor-chen. Er begriff nun leicht, der Abt werde bemerkt ha-ben, daß er das Mädchen bei sich habe, und, da die

schwere Strafe, die darauf stand, ihm nicht unbekanntwar, betrübte er sich außermaßen. Ohne indeß dem Mäd-chen seine Besorgnisse zu zeigen, dachte er schnell hin undwieder, ob sich nicht irgend ein Rettungsmittel noch fin-den ließe, und in, der That fiel ihm eine List ein, diesicher zu dem gewünschten Ziele zu führen versprach.