Die drei Ringe.
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Endlich ließ er ihn rufen, empfing ihn auf das freund-lichste, hieß ihn neben sich sitzen und sprach alsdann: „MeinFreund, ich habe schon von Vielen gehört, Du seiest weifeund habest besonders in göttlichen Dingen tiefe Einsicht;nun erführe ich gerne von Dir, welches unter den dreiGesetzen Du für das wahre hältst, das jüdische, das sa-racenische, oder das christliche" Der Jude war in derThat ein weiser Mann und erkannte wohl, daß Saladinihm solcherlei Fragen nur vorlegte, um ihn in seinen Wor-ten zu fangen; auch sah er, daß, welches von diesenGesetzen er vor den andern loben möchte, Saladin immerseinen Zweck erreichte. So bot er denn in der Geschwin-digkeit seinen ganzen Scharfsinn auf, um eine unverfäng-liche Antwort, wie sie ihm Noth that, zu finden, undsagte dann, als ihm plötzlich eingefallen war, wie er spre-chen sollte:
„Mein Gebieter, die Frage, die Ihr mir vorlegt, istschön und tiefsinnig; soll ich aber meine Meinung daraufsagen, so muß ich Euch eine kleine Geschichte erzählen, dieIhr sogleich vernehmen sollt. Ich erinnere mich, oftmalsgebört zu haben, daß vor Zeiten ein reicher und vorneh-mer Mann lebte, der vor allen andern auserlesenen Ju-welen, die er in seinem Schatze verwahrte, einen wunder-schönen und kostbaren Ring werth hielt. Um diesen sei-nem Werthe und seiner Schönheit nach zu ehren undihn auf immer in dem Besitze seiner Nachkommen zu er-halten, ordnete er an, daß derjenige unter seinen Söhnen,der den Ring, als vom Vater ihm übergeben, würde vor-zeigen können, für seinen Erben gelten und von allen denAndern als der vornehmste geehrt werden solle. Der ersteEmpfänger des Ringes traf unter seinen Kindern ähnlicheVerfügungen und verfuhr dabei, wie sein Vorfahre. Kurzder Ring ging von Hand zu Hand auf viele Nachkommenüber. Endlich aber kam er in den Besitz eines Mannes,der drei Söhne hatte, die sammtlich schön, tugendhaftund ihrem Vater unbedingt gehorsam, daher auch gleich
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