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1 (1843)
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Erster Tag. Dritte Geschichte-

Königin, also zu reden an:Die Erzählung der Neiphileerinnert mich an die gefährliche Lage, in der sich einst einJude befand; und, da von Gott und von der Wahrheitunseres Glaubens bereits in angemessener Weise gesprochenist, es mithin nicht unziemlich erscheinen kann, wenn wiruns nun zu den Schicksalen und Handlungen der Men-schen herablassen, so will ich Euch jene Geschichte er-zählen, die vielleicht Eure Vorsicht vermehren wird, wennIhr auf vorgelegte Fragen zu antworten habt. Ihr müßtnämlich wissen, schone Gespielinnen, daß, wie die Thor-heit gar Manchen aus seiner glücklichen Lage reißt undihn in tiefes Elend stürzt, so den Weisen seine Klugheitaus großer Gefahr errettet und ihm vollkommene Ruheund Sicherheit gewährt. Daß in der That der Unver-stand oft vom Glücke zum Elend führt, das zeigen vieleBeispiele, die wir gegenwärtig nicht zu erzählen gesonnensind, weil deren täglich unter unfern Augen sich zutragen.Wie aber die Klugheit Helsen kann, will ich versprochener-maßen in folgender kurzen Geschichte Euch zeigen.

Saladin, dessen Tapferkeit so groß war, daß sie ihnnicht nur von einem geringen Manne zum Sultan vonBabylon erhob, sondern ihm auch vielfache Siege übersaracenische und christliche Fürsten gewährte, hatte in zahl-reichen Kriegen und in großartigem Aufwand seinen gan-zen Schatz geleert, und wußte nun, wo neue und uner-wartete Bedürfnisse wieder eine große Geldsumme erheisch-ten, nicht, wo er sie so schnell, als er ihrer bedurfte,auftrciben sollte. Da erinnerte er sich eines reichen Juden,Namens Melchisedech, der in Alexandrien auf Wucher liehund nach Saladin's Dafürhalten wol im Stande gewesenwäre, ihm zu dienen, aber so geizig war, daß er vonfreien Stücken es nie gethan haben würde. Gewalt wollteSaladin nicht brauchen; aber das Bedürfniß war dringend,und es stand bei ihm fest-, auf eine oder die andere Artmüsse der Jude ihm helfen. So sann er denn nur aufeinen Vorwand, ihn zwingen zu können.