Jude Abraham in Rom.
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Reise meiner Meinung nach vollkommen überflüssig. DenkeDir, daß die hohe Geistlichkeit eben so ist, wie Du sie hiergesehen hast, und nur noch um so viel besser, als sie demobersten Hirten naher steht. Willst Du also meinemRathe folgen, so ersparst Du Dir diese Mühe auf einander Mal zu einer Wallfahrt, und alsdann ist es leichtmöglich, daß ich Dich selber begleite." Der Jude antwor-tete ihm: „Jeannot, ich bin überzeugt, es verhält sich,wie Du sagst; um es Dir aber mit einem Worte zu sagen,ich bin, , wenn Du anders noch wünschest, daß ich nachDeinen vielen Bitten thun soll, völlig entschlossen, zu rei-sen; und ohne das lasse ich mich niemals taufen." AlsJeannot sah, daß sein Wille fest stehe, so sagte er, „nunso reise mit Gott;" bei. sich aber dachte er, Abrahamwerde, wenn er erst den römischen Hof gesehen habe, nieund nimmer ein Christ werden. Da es ihn aber weiternichts anging, so ließ er ihn gewähren.
Der Jude stieg zu Pferde und beschleunigte seineReise nach Nom, so viel er konnte. Am Ziele an-gelangt, ward er von seinen Glaubensgenossen auf dasehrenvollste empfangen; er aber begann, ohne über denZweck seiner Reise Jemandem etwas zu sagen, mitaller Vorsicht das Leben des Papstes, der Cardinäle undder übrigen Prälaten und Hofleute zu beachten. — Waser, von nicht gewöhnlichem Scharfblick unterstützt, selberwahrnahm, und was er hie und da von Andern erfuhr,überzeugte ihn nun bald, daß sie alle der Wollust, undzwar nicht allein der natürlichen, sondern der Sodomiestöhnten, ohne sich irgend Zaum und Zügel von Schamoder Schande anlegen zu lassen; sodaß in den wichtig-sten Angelegenheiten der feilen Dirnen und der KnabenFürwort nicht geringen Einfluß ausübte. Außerdem fander an Allen insgemein Schlemmer, Säufer, Trunken-bolde, und Geschöpfe, die nach Art der unvernünftigenThiere, nächst der Wollust, mehr dem Bauche, als irgendetwas Andrem gehorchten. Bei genauerer Betrachtung