Jude Abraham in Rom. 47)
hat in seiner Erzählung gezeigt, wie Gott in Seiner Huldunsere Jrrthümer, an denen wir keine Schuld haben, unsnicht anrechnet, und ich denke in der weinigen ein Bei-spiel davon zu geben, wie eben diese göttliche Huld sichuns auf das untrüglichste durch die Langmuth offenbart,mit der sie die Fehler Derjenigen ertragt, die vielmehr be-rufen waren, durch Wort und That von Gott zu zeugen.Solche Einsicht möge uns alsdann mit um so größererFestigkeit unserem Glauben nachleben lassen.
In Paris, Ihr lieben Mädchen, lebte, wie mir erzähltworden ist, vor Zeiten ein reicher Kaufherr und wackererMann, Jeannot von Sevigne genannt, der, seiner Red-lichkeit unbeschadet, mit Tüchern einen großen Handel trieb.Dieser war auf das engste mit einem steinreichen Juden,Namens Abraham, befreundet, der gleichfalls Kaufmannund dabei ehrlich und unbescholten war. Wenn Jeannotnun den tadellosen Lebenswandel seines Freundes betrach-tete, so ging es ihm sehr zu Herzen, daß ein so wackerer,verständiger und guter Mann, weil ihm der Glaubenfehlte, verdammt sein sollte. So bat er ihn denn alsFreund, er möge den Jrrthümern des jüdischen Glaubensentsagen und zu dem allein wahren christlichen übertreten,dessen Heiligkeit und Güte sich schon durch sein fortwäh-rendes Wachsen und Gedeihen kund gäben. Der Judeerwiderte, daß er keinen Glauben, als allein den jüdischen,für gut und heilig halte: in dem sei er geboren, in demdenke er zu sterben, und davon werde nichts ihn jemalsabbringen können. Jeannot ließ sich dadurch nicht abhal-ken, nach Verlauf einiger Tage auf denselben Gegenstandzurückzukommen und ihm so gut, oder so schlecht, alsdie Mehrzahl der Kaufleute sich darauf verstehen wird,auseinander zu setzen, daß, und warum der christlicheGlaube besser ist, als der jüdische. Sei es nun, daß diegroße Freundschaft für Jeannot ihn bewog, oder daß viel-leicht Worte, die der heilige Geist dem unwissenden Mannein den Mund gelegt, ihn überzeugten, genug, obwol