Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

16

Erster Tag.

verständig, eine Jede schön von Gestalt, von reinen Sittenund von anständiger Munterkeit; auch würde ich ihrewahren Namen nennen, hielte mich nicht ein genügenderGrund davon ab. Ich wünsche nämlich nicht, daß Einevon ihnen um der Geschichten willen, die sie damals er-zählt und angchört, und die ich in der Folge mittheilen.werde, sich in Zukunft zu schämen habe, wie doch ge-schehen könnte, da die Sitten, welche um jene Zeit ausden oben erwähnten Gründen nicht nur ihrem, sondernauch viel reiferem Alter zu Zerstreuungen die größte Frei-heit ließen, inzwischen um Vieles eingeschränkt wordensind; eben so wenig möchte ich den Neidischen, welcheimmer bereit sind, löblichen Lebenswandel zu verleumden,Gelegenheit geben, durch üble Nachrede in irgend einerHinsicht den guten Ruf dieser ehrenwerthen Damen zuschmälern. Um indeß ohne Verwirrung unterscheiden zukönnen, was eine jede von ihnen sprach, denke ich ihnenfernerhin Namen, die den Eigenschaften einer jeden voll-ständig oder theilweise entsprechen, beizulegen. Und sowollen wir denn die erste und im Alter am meisten vor-gerückte, Pampinea nennen, die zweite Fiammetta, Philo-mela die dritte, die vierte Emilia, dann soll die fünfteLauretta heißen, die sechste Neiphile, und die letzte magnicht ohne Grund Elise genannt werden.

Diese nun waren, nicht von irgend einem Vorhabendazu bestimmt, sondern von vhngesähr am selben Platzeder Kirche zusammengekommen, 'wo sie bald das Vater-unserbeten aufgaben, sich fast im Kreise niedersetztenund nach einigen Seufzern untereinander von den schlim-men Zeiten Viel und Mancherlei zu reden begannen. Alsdies eine Weile gewahrt hatte, begann Pampinea, wie dieAnderen schwiegen, also zu reden:Liebe Mädchen, Ihrwerdet so wohl als ich gehört haben, daß es NiemandemSchande bringt, auf gebührende Weise seines Rechtes sicbzu bedienen. Natürliches und angeborenes Recht einesJeden ist es aber, sein Leben, so viel er es vermag, zu