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Giovanni Boccaccio.
rechnungen darüber Nachricht geben. Hier war nun derBesteller ein Ser Piero da Pescia, durch Vermittelungeines Giovanni di Nato, und die Auflage betrug 200 Exem-plare '). Mir erscheint aber die Situation höchst komisch,wie ehrbare Nonnen in ihrem Ordensgewande, hier dieNovelle des Masetto von Lamporecchio setzen, dort die Ab-drücke der Geschichte von der Aebtissin mit dem seltsamenPsalterium auf dem Kopfe, nach Druckfehlern spähend,eifrig corrigiren.
Bei der Kürze der Zeit, während welcher es hand-schriftlicher Vervielfältigung des Dekameron bedurfte, undbei der beträchtlichen Anzahl von gedruckten Ausgaben, dieschnell auf einander folgten, möchte man vermuthen, daßder uns überlieferte Text jenes Buches hinlänglich gesichertsei. Das ist jedoch nur in minderem Maße der Fall;vielmehr gehören die Handschriften und noch mehr die altenDrucke des Dekameron zu den größten Seltenheiten. DerGrund davon liegt zum Theil in einer merkwürdigen Car-nevalsscene, die sich in den Jahren 1496 und 97 zu Flo-renz zutrug. Der Geschichtsschreiber Nardi^) erzählt, FraDomenico da Pescia, der Genosse des Savonarola, habeum jene Zeit, wiewol gelehrter Bildung ermangelnd, mitsolcher Frömmigkeit und Salbung gepredigt, daß er in derkurzen Zeit vom Advent bis zum Carneval die Florentinerüberredet, alle schlüpfrigen und unsittlichen Bücher undalles Bildwerk oder Gemälde aus ihren Häusern zu schaf-fen, das geeignet wäre, sinnliche Gedanken zu erwecken.„Zu diesem Ende beauftragte er Kinder, unter der Leitung vonOberen, die aus ihrer Mitte gewählt waren, viertelsweisein die Häuser der Bürger zu gehen und demüthig undsanft von einem Jeden das Anathema (denn so nanntensie alle dergleichen unanständige Dinge), als von Gott und
1) Vr'nc. VoMnr, Verione sopra tue eäirioni ciel sec XV.Vir. 1831.
2 ) Istorie f. 3t der Originalausg. Lyon 1582. Vgl. k 43.