Giovanni Boccaccio.
I.xxxv
von den Kirchengesetzen verflucht, zu erfordern. Wurdeihnen darauf dergleichen verabfolgt, so segneten sie dasHaus mit einem eigenen, gar erbaulichen Spruche ein,den ihnen Fra Girolamo zu dem Ende verfaßt hatte. Sowurde denn in kurzer Zeit eine erstaunliche Menge unge-ziemender Bilder, falsche Locken, allerhand Putzsachen undWohlgerüche, Brettspiele von erlesener Schönheit, Spiel-karten und Würfel, vielerlei musikalische Instrumente,Exemplare von den Werken des Boccaccio und dem klor-gimte msMore, sowie Traum- und Zauberbücher vonihnen zusammengebracht. Alle diese Gegenstände wurdenam Carnevalstage auf einem großen Gerüste ausgestellt,das auf dem Domplatze errichtet war. Von einer breitenUnterlage erhob sich dies Gerüst in allmaliger Verjüngunggleich einer Pyramide, auf deren Stufen alle jene Sachen,mit Reisig und anderen brennbaren Stoffen abwechselnd,angeordnet waren. Zu diesem Feste strömte das Volk inScharen, ohne sich für dies Jahr um die sonst gewohntenCarnevalslustbarkeiten zu kümmern. Die Kinder aber hör-ten am Morgen in der Domkirche eine feierliche Engels-messe und zogen am Nachmittage von den einzelnen Vier-teln, in denen sie sich unter ihren Oberen versammelt hat-ten, weiß gekleidet, mit Olivenkcänzen auf dem Haupteund rothen Kreuzlein in den Händen, erst nach der St. Mar-cuskirche und dann nach dem Domplatze, wo sie in derLoge der städtischen Obrigkeiten Platz nahmen. Dabeisangen sie fortwährend lateinische Psalmen oder italienischeKirchenlieder, bis endlich die vier Oberen mit brennendenFackeln Herabstiegen und jenes Gerüste anzündeten, welchesalsdann mit seinem gelammten Inhalte bei dem Schmet-tern der Trompeten niederbrannte"').
So waren denn schon zu Anfang des sechszehntenJahrhunderts correcte Exemplare selten geworden, und ob-
i) Bergl. Rudelbach, Hieran. Savonarola und seine Zeit.S. 177.