Giovanni Boccaccio.
LXXXI
reits erwähnt worden. Noch strenger haben Andere ge-urtheilt'), und es ist schwerlich zu leugnen, daß diese, dieSinne kitzelnden Geschichten schon sür Manchen vom nach-theiligsten Einflüsse gewesen sind. Alle die zahlreichenSchriftsteller, die, besonders in Frankreich und theilweisauch in Italien, planmäßig daran gearbeitet, junge Ge-müther durch sittenlose Schilderungen zu vergiften, habenaus dem Dekameron, als einer willkommenen Fundgrube,reichlich geschöpft, und manche von unseren Novellen hat,mit den grellsten Farben frech ausgemalt, in der obscönenLiteratur die Runde gemacht.
Aeußerst fern liegt mir gewiß eine Apologie der Un-zucht; nothwendig scheint es aber, dem Dekameron dierichtige Stellung anzuweisen, durch die es alsdann vielleichtminder strafbar erscheinen dürste. Die unerlaubte Ge-schlechtsliebe, besonders der Ehebruch, hat offenbar nebendem verbrecherischen ein komisches Element, und aus derVereinigung von Lust und Angst, von hochfliegender Lei-denschaft und feigem Schuldbewußtsein entwickeln sich dielächerlichsten Antithesen, und der ausbündigste Scharfsinnmuß aufgeboten werden, um das, zwiefache Schande zu-gleich scheuende, Vergehen vor Entdeckung zu schützen. Sokehrt denn dies Element, wenn es nicht durch die Sittegewaltsam zurückgedrangt wird, überall wieder, wo die Auf-gabe verfolgt wird, Beispiele von komischen Verflechtungender Ereignisse und von schlau gefundenen Auswegen ausschlimmer Verlegenheit zu erzählen; ebenso wie im Deka-meron und seinen Nachfolgern, in den älteren französischen
tobe nonnunipinin inücinnt irritnntipie." Brief an MainarLo Le'Cavalcanti.
t) A. B. Loni/incio llanor-r bei M,LL»c/lkM p. 1335Nn. 119 1 ,,6Iii potesse contnre, (juante pnttnne Iin sotto >1
Decnmeron del üoecnccio, rlinnrreklie stnpido e senxn senso-
1-er conto dolle inntorie e dolle cnso nnrrnte dn esso in «pielsuo Novelliere, non si puü dire, qunnto e lp>nle sin stnto e per-severi tuttnvin ii dnnno die se ne sente."