Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
LXXVIII
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Giovanni Boccaccio.

Inmitten des protestantischen Deutschlands wird es schwer-lich einer Rechtfertigung dieser Angriffe auf die im spate-ren Mittelalter vielfach tief gesunkene Geistlichkeit bedürfen.Wie sehr sie entartet war, weiß, wer immer auch nur miteinzelnen der wahrheitliebenden, edleren Schriftsteller jenerZeit genauer bekannt ist. Ein italienischer Geistlicher desvorigen Jahrhunderts hat selber die Mühe übernommen,nachzuweisen, wie genau Boccaccio's Beschuldigungen mitanderweitigen Zeugnissen Zusammentreffen.') Also dachtedie Kirche aber nicht um die Zeit der Reactionen, welchedurch die Reformation hecvorgerufen waren. Die Vaterdes Concils zu Trento hielten dafür, daß schwere Beschul-digungen gegen die Geistlichkeit, begründet oder nicht, in-dem sie dieser die Achtung des Volkes raubten, zugleich demGlauben selber Gefahr brächten, und sie nabmen das De-kameron in die Zahl der verbotenen Bücher auf, jedoch mitdem beschrankenden Beisatz: bis es werde gereinigt sein(Loccstü Vccsüss, sivs noveliac centum, quamcliu ex-purgstas non proclierint) Durch dies Verbot geriethenDiejenigen in eigene Verlegenheit, die in dem oben ange-deuteten Sinne die Gesetze der italienischen Sprache fest-zustellen bemüht waren: nur aus einem Buche sollte derzu verwendende Wortschatz geschöpft, nur die Schreibartdieses einen nachgeahmt werden; dies eine aber durfteNiemand lesen, wenn er nicht den Strafen der Inquisitionverfallen wollte. Die florentiner Sprachforscher, welche ebendamals ihr berühmtes Wörterbuch vorzubereiten anfingen,erwirkten das Fürwort des Großherzogs Eosmus zuerst beiPius V. und dann bei dem etwas weniger strengen Gre-gor XIU. Die Sache wurde mit einer diplomatischenWichtigkeit betrieben, die sich bei einem Buche leichtfertigerGeschichten fast komisch ausnimmt. Der Napster sucripulatii sandte 1571 ein Exemplar des Dekameron von

I) KIvnsixn. 6/ov. IZottai't, I.erion> sopcn il Occnmervne.1'irenre, 1818. 2 Bde