Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
LXXVII
Einzelbild herunterladen
 

Giovanni Boccaccio.

I. XXVII

deres, welches zuvor schon seinen Platz gefunden, zumUeberflufse wiederholt').

Wenn im Obigen versucht ist, das Dekameron nachseinen eigentlichen Verdiensten zu bezeichnen, so darf nichtverschwiegen werden, daß es keinesweges ausschließlich, janicht einmal vorzugsweise diese sind, um derentwillen mansich gewöhnt hat, die hundert Novellen des Boccaccio alseines der bedeutendsten Werke der italienischen Literatur zubezeichnen. Drei Eigenschaften sind es hauptsächlich, welchendas Dekameron seine fast beispiellose Verbreitung zu ver-danken hat: seine Wichtigkeit für Constituirung des italie-nischen Sprachkanon, die heftigen Jnvectiven gegen dieGeistlichen, besonders gegen die Mönche, und die nicht un-bedeutende Zahl schlüpfriger Geschichten, die es enthält.

In der ersten Beziehung haben schon Andere, nament-lich Foscvlo'), es arge Verkehrtheit genannt, wenn imsechszehnten Jahrhundert der Municipalpatriotismus derFlorentiner und die Pedanterei einiger Grammatikenschreiberdie gestimmte italienische Prosa unter das Joch des aus-schließenden Worlvorrathes und der allein mustergebendenRedeweisen des Dekameron zu zwängen versuchten, sodaßder ernste Geschichtschreiber, oder der öffentliche Redner vonEalandrino und Ferondo die Sprache borgen sollten. JeneFesseln können in Italien jetzt als in weiterem Umfangegesprengt gelten, sodaß ausführlicher davon zu reden un-nöthig, für den Ausländer sogar vielleicht ungeziemend wäre.

Die Geißelhiebe dagegen, mit denen die keckgewordeneNovelle unter Boccaccios Händen den Clerus jener Zeitüberschüttet, sind auf der einen Seite dem Dekameron zurQuelle ausschweifenden Lobes geworden und haben ihmauf der andern die gefährlichsten Verfolgungen zugezogen.

1) Bergl. überhaupt Fr. v. Schlegel, Werke, IX. 21.22.32 ff.

2) In dem viseorso »ul tsüto »lei Decnmerons vor der Pi-ck er in g'scheu Ausgabe, besonders i> XIX. si-,. p. I.XXVII sgg.

- K-

> L

/