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1 (1843)
Entstehung
Seite
LII
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Giovanni Boccaccio.

Ml

gäbe, und er leistete in den lateinischen Werken, die ausihnen hervorgingen, für seine Zeit Außerordentliches. Vor-her aber hatte er es in einer geringen Anzahl von Schrif-ten gewagt, in der durch jene unreiferen Versuche darch-gebildeten Sprache, der lebendigen Gegenwart entnommeneStoffe zu behandeln, ja selbst den Ansprüchen auf an-tike Redepracht fast ganz zu entsagen, und diese wenigenSchriften, auf welche er sicher geringere Mühe verwandthat, sind es, um derentwillen er noch heute der erste Mei-ster der italienischen Prosa genannt wird-

Die älteste von Boccaccio's Schriften (unter denenhier zuerst die italienischen aufgeführt werden sollen)scheint der Filocopo') zu sein, ein Roman in Prosa,in dem die alte schöne Geschichte von Flos und Blank-stes für endlose Allegorien von Tugend und Liebe zumTräger dienen muß. Durch das unablässige Vermengenvon Heidnischem und Christlichem, von Antikem und Moder-nem und durch den völligen Mangel an Jndividualifirung istder Erzählung jeder historische Hintergrund geraubt, und dieüberschwenglich tugendhaften Reden mit ihren auseinander-gerenkten Perioden langweilen den Leser aufs Aeußerste.Naiv sind einzelne Züge, z. B. wenn (Bd. I. S. 63 derCiccarelli'schen Ausg.) die weilen Lehrer der beiden aneinem Tage geborenen und durch das Geschick für ein-ander bestimmten Kinder, diese, sobald sie die Buchstabengelernt haben,das heiligeBuch des Ovid lesen lassen, indem der große Dichter Unterricht ertheilt, wie die heiligenFeuer der Venus in den kalten Herzen mit Sorgsamkeitzu entzünden seien." Filvcopo heißt das Buch, weil Flos,

1) Latciettt, p. 27 3». Wergl. Graesse, Die großen Sa-genkreise des Mittelalters, S. 275. 76. lieber die Ausgaben

8«,ie I>icv. 198. 99. Zur Charakteristik Schlegel,S. 13-1.7

2 ) Ueber die Geschichte selbst vergl. Ferdinand Wolf,Ueber die altfranzösischen Heldengedichte, S. 69 72.