Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
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LI
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Giovanni Boccaccio.

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päpstlicher Geheimschreiber die Jungfrau Maria stets Diana,Christum Apollo und die Nonnen Vestalinnen nennt.

Stellen wir nun Petrarca und Boccaccio in dieserBeziehung zusammen, so ist das Ziel, wonach Beide mitBewußtsein streben, das gleiche. Dem Erstern aber ge-lingt jene Entäußerung mittelalterlicher Sinnesart in vielhöherem Maße, und so löst er dis gestellte Aufgabe weitvollkommener. Die größtentheils in seiner Jugend ent-standenen Gedichte des Canzoniere abgerechnet, die ihn wi-der seinen Willen unsterblich gemacht haben, hat er denbunten Blüthenstaub der Romantik fast vollständig sichabgestreift; in den Sagen, welche das Volk bewahrt, er-kennt er nur den Aberglauben des Pöbels, und die Ro-mane von Arthus und von Karl taugen ihm höchstensfür die Spinnstube; er ist der entschiedene Rationalist sei-nes Jahrhunderts. Boccaccio ') wäre sicher gern ebensoaufgeklärt; aber das frische Leben des Volkes mit seinerganzen Anschauungsweise rinnt zu mächtig in seinen Adern,und so sehr es ihm Ernst ist, uns Theseus und die Ama-zonen, oder die Helden vor Troja im richtigen Costume zuschildern, und so angestrengt er auch zu dem Ende dieganze complicirte mythologische Machinerie arbeiten läßt,so erkennen wir unter der MMe immer wieder bald einentoscanischen Ritter, bald ein Hosfräulein der Johanna.Liegt nun schon hierin ein Anklang von Parodie, so führtdas fernere Streben, jene Heroen möglichst edle Gesinnun-gen nach dem Vorbilde des Livius in volltönenden Wor-ten, künstlich gebaueten Perioden und regelrecht gegliedertenGedanken aussprechen zu lassen, namentlich in den früherenSchriften, nicht selten zu falschem Pathos und ermüden-dem Redeschwall. Später spaltete sich Boccaccio's Tä-tigkeit in zwei Halsten: in den letzten Lebensjahren warenihm die classischen Studien zur ausschließlich gelehrten Auf-

i) Vergl. zu seiner Charakteristik überhaupt: Friede. Schle-gel, Sämmtliche Werke. X. 436.