Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
XLIX
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Giovanni Boccaccio.

XUIX

und zauberte dort in sein umschranktes Gebiet die Geistervergangener Zeiten um sich her.,

Lerheirathet war Boccaccio nie. Auster der Ehe hatte«r indeß Kinder. Den Tod einer in zartem Alter gestor-benen Tochter, Violante (dort Olympia genannt) beklagter in der bedeutend spater geschriebenen vierzehnten Ekloge.Noch wenig Jahre vor seinem Tode schildert er seineschmerzliche Bewegung bei dem Anblick von Petrarca'sgleichalter Enkelin '). Eine Stelle jenes Gedichtes bezeich-net Neapel als den Wohnort des Kindes, und so liegtdie Vermuthung nahe, daß es eine Frucht des verbotenenUmganges mit Marien gewesen sei. Eine andere Stellescheint auf noch früher verstorbene Geschwister hinzudeuten ch.

Indem wir uns nunmehr zu einer Uebersicht vonBoccaccio's Schriften wenden, fassen wir zuerst seine EigeN-thümlichkeit als Schriftsteller und Gelehrter im Allgemeinenins Auge. Zwei verschiedene Richtungen des Geistes käm-pfen im Mittelalter, besonders in dem spateren, um dieHerrschaft. Auf der einen Seite Begeisterung für daseigene Gut der neueren romantisch-germanischen Welt, fürden katholischen Glauben und die sich ihm anschließendenHeiligen- und Heldensagen, für Ritterthum und Minne;auf der andern Seite Bewunderung für die formelle Meister-schaft des Alterthums, für den berechneten Sieg der Ideeüber den Stoff, für die starre Willenskraft der antikenWelt. War den germanischen Völkern die erste dieser Rich-tungen angestammt, so lag den romanischen der Rückblickauf die hohen Vorbilder der classischen Zeit von jehernahe, und seit dem zwölften Jahrhundert wandte ein immer

1) De Sade, Uebersehung III- 813.

2) p. 61. p. 9!). 94.

Dekameron. I.