XXXIV
Giovanni Boccaccio.
Von Boccciccio's Briefen an Petrarca sind uns leider diemeisten verloren gegangen '); nach Dem aber, was wir da-von wissen, waren es im Gegensätze zu den eitelen Selbst-besprechungen dieses Letzteren fast immer höhere Inter-essen, oder fremde Angelegenheiten, von denen sie handel-ten. Eine merkwürdige Mittheilung solcher Art werdenwir noch zu erwähnen haben (S. XIAI). Höchsten Preiseswerth ist aber der edleMuth, mit dem er es wagte, zwarin wohlverstandener Würdigung der Eigenthümlichkeit Des-sen, an den er schrieb, unter vielfachen und höchsten Lob-preisungen, ja unter Entschuldigungen, aber doch mit demBewußtsein der Heiligkeit der Sache, für die er stritt, demPetrarca Dante's göttliche Komödie sangeblich in eigen-händiger Abschrift mit dem Bemerken zu übersenden,daß die vornehme Geringschätzung, mit welcher der Sängerdes Canzoniere bisher dies höchste italienische Gedicht igno-rirt habe, ihm allgemein als unwürdige Misgunst gedeu-tet werde ^). Petrarca's Antwort ist frostig und geschraubtund verräth alles Andere eher, als Bereitwilligkeit, die maaß-losen Verdienste des Vaters der italienischen Poesie, desvollendetsten Organes der mittelalterlichen Geistesentwicke-lung, anzuerkennen.
Zu den heimischen Verhältnissen Boccaccio's zurückkeh-rend haben wir mehrer Gesandtschaften zu gedenken, mitdenen ihn die Republik betraute. 1352 wurde er, um ge-gen den Mailänder Giovanni Visconti Hülfe zu suchen,
1) Einen Brief von 1366 (?) theilt De Sade, Uebers. III.811 — 14, mit. Boccaccio hatte Petrarca in Venedig besuchenwollen, aber nur dessen Schwiegersohn gefunden. Wergl. LatckeUr,I>. 192. 93.
2) Daß die Vatikanische HS. Nro. 3199 eine solche sei,kann nur ein völlig Unkundiger behaupten.
s) Boccaccio's Brief ist uns verloren. Die begleitenden Wersesind oft gedruckt, z. B. bei ttsanm, ,>. 25. 26. Die AntwortPetrarca's steht nicht in der Baseler Ausg. der Werke, wohl aberin der (Genfer) Octavausg. der Briese (1691- XII. 12. g. 445—51.