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1 (1843)
Entstehung
Seite
XXXII
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XXXIl

Giovanni Boccaccio.

gena) zu gemeinsamen Gesprächen und Gondelfahrten ein.Noch ein Fünfter nahm indeß an diesen Zusammenkünf-ten Theil, dessen Umgang den Freunden minder willkom-men, aber desto lehrreicher war. Ein Calabrese, der sichLeontius Pilatus nannte und seine durch Bar-laam aus Seminara erworbene Kunde der griechischen Lite-ratur in der Levante vervollkommnet hatte, weilte um 1360in Venedig. Boccaccio, dem es für die eignen Lebens-bedürfnisse so oft am Nöthigsten gebrach, eilte, von glühen-der Begeisterung für das classische Alterthum getrieben,dorthin und bewog den aufgeblasenen und durchaus un-liebenswürdigen Mann, mit ihm nach Florenz zu kom-men, wo er ihn Jahre lang in seiner dürftigen Wohnungbeherbergte. Endlich gelang es seinen oft wiederholtenBitten, dem habsüchtigen Griechen ein Jahrgeld von derRepublik zu erwirken und ihn zu bewegen, daß er öffent-liche Vorlesungen über Homer hielt. Wenige wohntenihnen bei. Boccaccio aber ließ nicht ab, bis er von Leon-tius eine vollständige Uebersetzung der homerischen Gedichte,ja selbst einiger platonischer Schriften erlangt hatte'). Umdiese Zeit schrieb Boccaccio im Namen Homer's einen seltsamenBrief an Petrarca, voll Klagen über die Vergessenheit, derseine Gesänge zur Beute geworden seien, und über die Un-dankbarkeit seiner Nachahmer. Uns ist nur die Antwortdes Petrarca (Mailand 9 . October 1360 ) erhalten, undauch diese ist ungedruckt ^). Nicht lange war es indeßBoccaccio geglückt, den unbeständigen und stets unbefrie-digten Mann an Florenz zu knüpfen. Plötzlich verschwander, und erst in Venedig bei dem Freunde sollte Boccaccioihn Wiedersehen. Auch Petrarca's Gastfreundschaft vermochteindeß Leontius nicht auf die Dauer zu fesseln. Bald nach

1) p. 13544. 25669. Bergl. Detvarcn, k'gn-s.üen. VI. 2.

2) De Lacie, Vlömoiren pollr Io vie >Ie IV.

Deutsche Uebersetz. Lemgo, 1778. III. 705. Dalckettft p. 25869.