XXX
Giovanni Boccaccio.
Briefe an Zanobi da Strada lobt er ein Strafgedicht die-ses Letzteren gegen die Florentiner und schilt diese selberwegen ihrer Habsucht und ihres verweichlichenden Luxus sosehr, daß er sich in Zukunft nicht mehr von Florenz, son-dern von Certaldo zu benennen verspricht.
Im Herbste 1330 berührte Petrarca, auf seiner Reisezum Jubiläum nach Rom, seine Heimat, Florenz. Boc-caccio sandte ihm lateinische Verse entgegen und empfingihn mit dem Ausdruck der Bewunderung, die er seit demneapolitanischen Schauspiele, neun Jahre zuvor, für ihnhegte. Hier begann eine Freundschaft, die nur der Todlöste, und die, besonders auf Boccaccio's Seite, ein fastrührendes Gepräge hingebender Innigkeit trägt. Nur denSchüler Petrarca's, nicht seinen Genossen, nennt er sich,und wo immer die Anforderung zu einem gelehrten Werkean ihn ergeht, da wünscht er die Aufgabe, welcher er sichnicht gewachsen fühlt, von dem kundigeren Freunde ge-löst'). Die kaufmännische Thatigkeit, die begonnenen Stu-dien hatte er verlassen, den Zorn des Vaters sich zugezo-gen, nur um allein der Poesie zu leben. Dante war ihmdas hohe, unerreichbare Vorbild gewesen; aber unterDante die nächste Stelle, die war das Ziel seines Stre-bens gewesen °). Da sielen ihm Petrarca's Sonette undCanzonen in die Hände, und, schnell überzeugt, daß ernichts diesen Kunstwerken Gleichendes zu schaffen vermöge,warf er die Frucht mehrjährigen Fleißes ins Feuer undwollte noch in späten Jahren es nicht zulassen, daß Pe-trarca ihn einen Dichter nenne ^). Petrarca nimmt dieseüberschwänglichen Huldigungen mit ebenso viel Selbst-bewußtsein als Freundlichkeit auf, ist aber im Uebrigenein wohlgesinnter und zur That bereiter Freund. Wieder-
1) Bergt, die Einleitung zu der Genealogie der Götter undzu dem Buche über die Berge u. s. w-
2) Sonett 66 in Baldelli's Sammlung der Lime.
3) Petrarca, sv». V. 3. >>. 793 — 96. der Baseler
Ausg. Genfer Ausg. der Lgist. ikam. IX. 5.