Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
XXVI
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XXVI

Giovanni Boccaccio.

eingeben, über welche Petrarca's Zärtlichkeit für seine Lauradurch zwei Jahrzehende nicht hinauskam. Der Hof derwollüstigen Johanna, die gewohnt war, jeder Laune nach-zugeben , liebte derbere Kost als die scheue Verehrungdeutschen Minnegesangs, und wenn wir im fünften Buchedes Filocopo den Florio einem Liebeshvfe beiwohnen sehen,der unter Fiammettens Vorsitz dreizehn spitzfindige Fragenverhandelt, so sind diese Spiele des Scharfsinns sich nichtselber Zweck, sondern ein Aufathmen der gesättigten Lust.Von jenen zweifelhaften Fallen des Liebeshofes der Fiam-metta finden wir mehre spater im Dekameron wieder,,undes ist kaum zu bezweifeln, daß die in diesem Werke ver-einten ergötzlichen Geschichten, so wenig sie taugen mögen,von weiblichem Ohr vernommen zu werden, zuerst aus-gezeichnet wurden, um der Königin Johanna und ihrenDamen Unterhaltung zu gewahren. Rief doch drittehalbJahrhunderte spater das Wohlgefallen der jungfräuli-chen Königin des Westens die nicht eben zarteren Späßeder lustigen Weiber von Windsor hervor. Eine Fruchtvon Boccaccio's erstem Aufenthalt in Neapel scheint derFilocopo zu sein, während vermuthlich nach seiner Rück-kehr, die ihn mit Fiammetten in alter Liebe verband, dasnach ihr benannte Büchlein und der Filostrato, letzteredurch eine längere Abwesenheit der Geliebten veranlaßt,entstanden ').

Aber §uch zur Erweiterung seiner gelehrten Kenntnissewar für Boccaccio der Aufenthalt in Neapel in hohemGrade förderlich. Sein Zusammentreffen mit Petrarcaführte noch zu keiner persönlichen Bekanntschaft. Wohlaber erfreute er sich des näheren Verkehrs mit dem gelehr-ten Bibliothekar König Robert's, Paolo von Perugia,

l) Ucber die ferneren Schicksale Mariens haben wir keineNachricht; aus einigen Sonetten lBaldelli's Sammlung derMime Nro. 51. 60. 73. 97) sehen wir indes, das sie vor Boccac-cio starb.