Giovanni Boccaccio.
XXV
werth aber ist es, daß sich vom Schluffe eben dieses Jah-res (3<>. December >35«) die Nachricht erhalten hat, wiedie Capitani von Or San Michele durch Boccaccio's Ver-mittelung der Tochter ihres größten Mitbürgers, der Bea-trice di Dante Allighieri, die Nonne in dem Kloster SanStefano dell' Uliva in Ravenna war, ein Allmosen vonI« Goldgülden zukommen ließen').
Nach Neapel ist Boccaccio auch später, und zwarmehrfach, niemals jedoch zu bleibendem Verweilen zurück-gekehrt. Die Zeit war verstrichen, wo jener Hof die Fülleder Lust zu bieten und keimende Talente zu wecken ver-mochte. Die noch übrigen Regierungsjahre der ersten Jo-hanna waren von Kriegen und von Raubzügen der Eon-dottieri, von Händeln und Ranken der Großen ausgefüllt.In Boccaccio's gepriesenem Landsmann, Acciajuoli, hatteder Hochmuth des Emporkömmlings das frühere Wohl-wollen und das Interesse für Wissenschaft verdrängt. An-ders war es in jenen Zeiten gewesen, wo König Robertam Ende seiner nicht unrühmlichen Regierung, selber inDichtkunst und Gelehrsamkeit erfahren, einen Kreis vonkundigen Männern um sich versammelte, wo er es sichzur Ehre schätzte, Petrarca, der auf dem Capitol die Dich-terkrone zu erlangen strebte, drei Tage lang öffentlich zuprüfen. Von solchem Schauspiel, das unter seinen Augensich zutrug, angeregt, in südlich verzehrender Glut für dieselber glühende Königstochter entflammt, fordert; der Kauf-mannssohn aus Certaldo von den Musen, daß sie ihmZutritt zu dem Pallast der Angiovinen gewährten. Ecwurde ihm gewährt'); aber die Liebe Mariens, die mitdem letzten Ziele begann, konnte dem Begünstigten nichtjene übersinnlichen und sorgsam geglätteten Liebesseufzer
1) Mannt p. 34.
2) Einen Brief Boccaccio's an den später Hingerichteten Prin-zen (Karl) von Durazzo vom April 7339 hat Ciampi (S.274)neuerdings bekannt gemacht.
Dekameron. I. **