Giovanni Boccaccio.
XIX
schmuzige Kramerei) zu treiben, und, sofort von der Liebezu den Musen erfüllt, habe er, heimgekehrt, von seinembisherigen Treiben sich losgemacht und mit glühendemEifer allein der Poesie sich ergeben. Wahrscheinlich stehtdies Ereigniß im Zusammenhänge mit dem Datum jenerBriefe (vom Grabe Virgil's), und gibt man der Lesartbei Villani, welche das 2öste Lebensjahr (l338) angibt,den Vorzug, so trifft auch die Zeit zu, und Villani irrtenur darin, daß er Boccaccio's Ankunft in Neapel mit sei-nem Entschlüsse, sich nur den Musen zu weihen, verwech-selte. Ein gleichfalls sub monts kaierno datirter und vonCiampi aufgefundener Brief beschreibt') Boccaccio's Aufent-halt in oder bei Neapel zwischen Dornen unter demSchmuze und widrigen Gerüche der Landleute bei schlech-ter Kost mit den abschreckendsten Farben. Wir dürfendabei vielleicht an das Fischerdorf der Mergellina denken,wohin sich der den canonistischen Hörsälen Entflohene zu-rückgezogen (ciuiiiu libertstis oklieiuin secpierer inconcusse).Weiter heißt es alsdann: als er eines Morgens um denAnbruch des Tages längs der feuchten Ufer gegangen, seiihm bei dem Grabe Virgil's plötzlich, wie ein Blitz ausunbewölktem Himmel, ein heiteres Weib erschienen, dessenAnblick ihn seinem ganzen Wesen nach umgewandelt. Manmöchte geneigt sein, beide Begebenheiten zu verbinden, so-daß Virgil's Grabmal nicht nur den Hang zur Poesie indem strebenden Jüngling geweckt, sondern auch die Museihm zugeführt hätte, wenn nicht auf schwer zu erklärendeWeise dieser Brief zum größeren Theile mit einem neuer-
1) a. a. O. p. 284.
2) Da derselbe in den Worten amiaus aetate «citulns ucpeorsus -u'xutulus vermutlich auf vionixi kobeiti dal Ijorxo <li8uu aepvlcio deutet, und dieser Ende 1339 oder Anfang 1340von Paris über Avignon nach Neapel kam, so scheint der Briefdem letzteren Jahre anzugehören.