letzte Gefühl bleiben alsdann in dem denkenden Subjecte stehend,und ohne Wechsel immer dieselben. Für ein Wesen, welches sichseines Daseins und der Größe desselben (als Dauer) nur in derZeit bewußt werden kann, muß ein solches Leben, wenn es andersLeben heißen mag, der Vernichtung gleich scheinen; weil es, umsich in einen solchen Zustand hineinzudenken, doch überhaupt etwasdenken muß; Denken aber ein Reflcctiren enthält, welches selbstnur in der Zeit geschehen kann. — Die Bewohner der anderen Weltwerden daher so vorgestellt, wie sie, nach Verschiedenheit ihres Wohn-orts (dem Himmel oder der Hölle), entweder immer dasselbe Lied,ihr Hallelujah, oder ewig ebendieselben Jammertöne anstimmen(XlX, 1 — 6; XX, 15); wodurch der gänzliche Mangel allesWechsels in ihrem Zustande angezeigt werden soll.
Gleichwohl ist diese Idee, so sehr sie auch unsere Fassungs-kraft übersteigt, doch mit der Vernunft in praktischer Beziehungnahe verwandt. Wenn wir den moralisch-physischen Zustand desMenschen hier im Leben auch auf dem besten Fuß annehmen, näm-lich eines beständigen Fortschreitens und Annäherns zum höchsten(ihm zum Ziel ausgesteckten) Gut; so kann er doch (selbst im Be-wußtsein der Unveränderlichkeit seiner Gesinnung) mit der Aussichtin eine ewig dauernde Veränderung seines Zustandes, (des sittlichensowohl, als physischen,) die Zufriedenheit nicht verbinden. Dennder Zustand, in welchem er jetzt ist, bleibt immer doch ein Uebel,vcrglcichungsweise gegen den besseren, in den zu treten er in Be-reitschaft steht; und die Vorstellung eines unendlichen Fortschreitenszum Endzweck ist doch zugleich ein Prospekt in eine unendlicheReihe von Uebcln, die, ob sie zwar von dem größeren Guten Über-wegen werden, doch die Zufriedenheit nicht Statt finden lassen, dieer sich nur dadurch, daß der Endzweck endlich einmal erreichtwird, denken kann.
Darüber geräth nun der nachgrübelnde Mensch in die Mystik,(denn die Vernunft, weil sie sich nicht leicht mit ihrem immanen-ten d. i. praktischen Gebrauch begnügt, sondern gern im Trans-scendenten etwas wagt, hat auch ihre Geheimnisse,) wo seine Ver-