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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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Das Ende aller Dinge.

Begriff von einem Ende aller Dinge, nach dem Verhälniß, das erzu unserem Erkenntnißvermögen hat, einzutheilcn, und die unterihm stehenden zu classisiciren.

Diesem nach wird das Ganze 1) in das natürliche*) Endealler Dinge, nach der Ordnung moralischer Zwecke göttlicher Weis-heit, welches wir also (in praktischer Absicht) wohl verstehenkönnen, 2) in das mystische (übernatürliche) Ende derselben, inder Ordnung der wirkenden Ursachen, von welchen wir nichtsverstehen, 3) in das widernatürliche (verkehrte) Ende allerDinge, welches von uns selbst, dadurch, daß wir den Endzweckmißverstehen, herbeigeführt wird, eingetheilt, und in drei Ab-theilungen vorgestellt werden; wovon die erste so eben abgehandeltworden, und nun die zwei noch übrigen folgen.

In der Apokalypse (X, 5. 6)hebt ein Engel seine Handauf gen Himmel, und schwört bei dem Lebendigen von Ewigkeitzu Ewigkeit, der den Himmel erschaffen hat u. s. w.: daß hin-fort keine Zeit mehr sein soll."

Wenn man nicht annimmt, daß dieser Engelmit seinerStimme von sieben Donnern" (V. 3) habe Unsinn schreien wollen,so muß er damit gemeint haben, daß hinfort keine Veränderungsein soll; denn wäre in der Welt noch Veränderung, so wäre auchdie Zeit da, weil jene nur in dieser Statt finden kann und ohneihre Voraussetzung gar nicht denkbar ist.

Hier wird nun ein Ende aller Dinge, als Gegenstände derSinne, vorgestellt, wovon wir uns gar keinen Begriff machenkönnen; weil wir uns selbst unvermeidlich in Widersprüche verfangen,

*) Natürlich (formaliter) Heist, was nach Gesetzen einer gewissenOrdnung, welche es auch sei, mithin auch der moralischen, (also nicht immerblos der physischen) nothwendig folgt. Ihm ist das Nichtnatürliche,welches entweder das Uebernatürlichc, oder das Widernatürliche sein kann,entgegengesetzt. Das Nothwendigc aus Naturursachcn würde auch alsmaterialiter-natürlich (physisch-nothwendig) vorgcstellt werden.