eilt in den Fortschritten des menschlichen Geschlechts die Cultur derTalente, die Geschicklichkeit des Geschmacks, (mit ihrer Folge, derUeppigkeit,) der Entwickelung der Moralität vor; und dieser Zu-stand ist gerade der lästigste und gefährlichste für Sittlichkeit sowohl,als physisches Wohl; weil die Bedürfnisse viel stärker anwachsen,als die Mittel, sie zu befriedigen. Aber die sittliche Anlage derMenschheit, die (wie Horazens poena, pelle clsullo) ihr immernachhinkt, wird sie, die in ihrem eilfertigen Lauf sich selbst verfängtund oft stolpert, (wie man unter einem weisen Weltregierer wohlhoffen darf,) dereinst überholen; und so sollte man, selbst nach denErfahrungsbeweisen des Vorzugs der Sittlichkeit in unserem Zeit-alter, in Vergleichung mit allen vorigen, wohl die Hoffnung nährenkönnen, daß der jüngste Tag eher mit einer Eliasfahrt, als miteiner der Rotte Korah ähnlichen Höllenfahrt eintreten, und das Endealler Dinge auf Erden herbeiführen dürfte. Allein dieser heroischeGlaube an die Tugend scheint doch, subjectiv, keinen so allgemein-kräftigen Einfluß auf die Gemüther zur Bekehrung zu haben, alsder an einen mit Schrecken begleiteten Auftritt, der vor den letz-ten Dingen als vorhergehend gedacht wird.
Anmerkung. Da wir es hier blos mit Ideen zu thunhaben, (oder damit spielen,) die die Vernunft sich selbst schafft,wovon die Gegenstände, (wenn sie deren haben,) ganz über unserenGesichtskreis hinauslicgen, die indeß, obzwar für das speculativcErkcnntniß überschwenglich, darum doch nicht in aller Beziehungfür leer zu halten sind, sondern in praktischer Absicht uns von dergesetzgebenden Vernunft selbst an die Hand gegeben werden, nichtetwa um über ihre Gegenstände, was sie an sich und ihrer Naturnach sind, nachzugrübeln, sondern wie wir sie zum Behuf der mo-ralischen, auf den Endzweck aller Dinge gerichteten Grundsätze zudenken haben, (wodurch sie, die sonst gänzlich leer wären, objectivepraktische Realität bekommen;) — so haben wir ein freies Feldvor uns, dieses Product unserer eigenen Vernunft: den allgemeinen