d. i. was unser gegenwärtiger moralischer Zustand, so weit wir ihnkennen, uns darüber vernünftiger Weise urtheilen laßt; daß nämlich,welche Principicn unseres Lebenswandels wir bis zu dessen Endein uns herrschend gefunden haben, (sie seien die des Guten oderdes Bösen,) auch nach dem Tode sortfahren werden, es zu sein;ohne daß wir eine Abänderung derselben in jener Zukunft anzuneh-men den mindesten Grund haben. Mithin müßten wir uns auch derjenem Verdienste oder dieser Schuld angemessenen Folgen, unter derHerrschaft des guten oder bösen Princips, für die Ewigkeit gewär-tigen; in welcher Rücksicht es folglich weise ist, so zu handeln, alsob ein anderes Leben, und der moralische Zustand, mit dem wirdas gegenwärtige endigen, sammt seinen Folgen, beim Eintritt indasselbe unabänderlich sei. In praktischer Absicht wird also das an-zunehmende System das dualistische sein müssen; ohne doch aus-machen zu wollen, welches von beiden, in theoretischer und blosspeculativer, den Vorzug verdiene; zumal da das Umtausche zu sehrin gleichgültige Sicherheit einzuwiegcn scheint.
Warum erwarten aber die Menschen überhaupt ein Endeder Welt? und wenn dieses ihnen auch eingeräumt wird, warumeben ein Ende mit Schrecken (für den größten Theil des mensch-lichen Geschlechts)? ... Der Grund des Ersteren scheint darinzu liegen, weil die Vernunft ihnen sagt, daß die Dauer der Weltnur sofern einen Werth hat, als die vernünftigen Wesen in ihr demEndzweck ihres Daseins gemäß sind, wenn dieser aber nicht erreichtwerden sollte, die Schöpfung ihnen zwecklos zu sein scheint; wieein Schauspiel, das gar keinen Ausgang hat und keine vernünftigeAbsicht zu erkennen gibt. Das Letztere gründet sich auf derMeinung von der verderbten Beschaffenheit des menschlichen Ge-schlechts*), die bis zur Hoffnungslosigkeit groß sei; welchem ein
*) Zu allen Zeiten haben sich dünkende Weise (oder Philosophen), ohneLie Anlage zum Guten in der menschlichen Natur einiger Aufmerksamkeit zuwürdigen, sich in widrigen, zum Lhcil ekelhaften Gleichnissen erschöpft, um un-sere Erdenwelt, den Aufenthalt für Menschen, recht verächtlich vorzustellen.I) Als ein Wirthshaus (Karavanscrai), wie jener Derwisch sie ansieht:wo jeder auf seiner LebenSreise Einkehrende gefaßt sein muß, von einem fol-