398 Das Ende aller Dinge.
guten Urwesen) in praktischer Absicht, sür jeden Menschen, wieer sich selbst zu richten hat, (obgleich nicht, wie er Andere zu richtenbefugt ist,) einen überwiegenden Grund in sich; denn, so viel ersich kennt, laßt ihm die Vernunft keine andere Aussicht in dieEwigkeit übrig, als die ihm aus seinem bisher geführten Lebens-wandel sein eigenes Gewissen am Ende des Lebens eröffnet. Aberzum Dogma, mithin um einen an sich selbst, objektiv-gültigen,theoretischen Satz daraus zu machen, dazu ist es, als bloses Ver-nunfturlheil, bei Weitem nicht hinreichend. Denn welcher Menschkennt sich selbst, wer kennt Andere so durch und durch, um zu ent-scheiden: ob, wenn er von den Ursachen seines vermeintlich wohl-geführten Lebenswandels Alles, was man Verdienst des Glücksnennt, als sein angeborenes gutartiges Temperament, die natür-liche größere Stärke seiner oberen Kräfte, (des Verstandes und derVernunft, um seine Triebe zu zähmen,) überdcm auch noch dieGelegenheit, wo ihm der Zufall glücklicher Weise viele Versuchungenersparte, die einen Anderen trafen; wenn er dies Alles von seinemwirklichen Charakter absvnderte, (wie er das denn, um diesen ge-hörig zu würdigen, nolhwendig abrechnen muß, weil er eS, alsGlücksgeschenk, seinem eigenen Verdienst nicht zuschreiben kann;)wer will dann entscheiden, sage ich, ob vor dem allsehenden Augeeines Weltrichters ein Mensch, seinem inneren moralischen Werthe nach,überall noch irgend einen Vorzug vor dem anderen habe, und esso vielleicht nicht ein ungereimter Eigendünkel sein dürfte, bei dieseroberflächlichen Selbsterkenntniß, zu seinem Vortheil über den mora-lischen Werth (und das verdiente Schicksal) seiner selbst sowohl, alsAnderer irgend ein Urtheil zu sprechen? — Mithin scheint das Sy-stem des Unitaricrs sowohl, als des Dualisten, beides als Dogmabetrachtet, das speculative Vermögen der menschlichen Vernunftgänzlich zu übersteigen, und Alles uns dahin zurückzuführen, jeneVernunftideen schlechterdings nur auf die Bedingungen des prakti-schen Gebrauchs einzuschränken. Denn wir sehen doch nichts voruns, das uns von unserem Schicksal in einer künftigen Welt jetztschon belehren könnte, als das Urtheil unseres eigenen Gewissens
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