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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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den kann; so muß die Vorstellung jener letzten Dinge, die nachdem jüngsten Tage kommen sollen, nur als Versinnlichung des letz-teren sammt seinen moralischen, uns übrigens nicht theoretisch be-greiflichen Folgen angesehen werden.

Es ist aber anzumcrken, daß es von den ältesten Zeiten herzwei, die künftige Ewigkeit betreffende Systeme gegeben hat: eines,das der Uni tarier derselben, welche allen Menschen (durch mehroder weniger lange Büßungen gereinigt) die ewige Seligkeit; dasandere das der Dualisten'), welche einigen Auserwählten dieSeligkeit, allen Uebrigen aber die ewige Verdamniß zusprechen.Denn ein System, wornach Alle verdammt zu sein bestimmtwären, konnte wohl nicht Platz finden, weil sonst kein rechtfertigen-der Grund da wäre, warum sie überhaupt wären erschaffen worden;die Vernichtung Aller aber eine verfehlte Weisheit anzeigen würde,die, mit ihrem eigenen Werk unzufrieden, kein ander Mittel weiß,den Mängeln desselben abzuhelfen, als es zu zerstören. DenDualisten steht indeß immer ebendieselbe Schwierigkeit, welche hin-derte, sich eine ewige Verdammung Aller zu denken, im Wege;denn wozu, könnte man fragen, waren auch die Wenigen, warumauch nur ein Einziger geschaffen, wenn er nur dasein sollte, umewig verworfen zu werden? welches doch arger ist, als gar nicht sein.

Zwar, so weit wir es einsehen, so weit wir uns selbst erforschenkönnen, hat das dualistische System, (aber nur unter einem höchst-

') Ein solches System war in der Altpersischen Religion (des Zoroaster) aufder Voraussetzung zweier im ewigen Kampf mit einander begriffenen Urwcscn,dem guten Princip, Ormuzd, und dem bösen, Ahriman, gegründet-Sonderbar ist es: daß die Sprache zweier weit von einander, noch weiter abervon dem jetzigen Sitze der deutschen Sprache entfernten Länder, in der Benen-nung dieser beiden Urwescn, deutsch ist. Ich erinnere mich bei Sonneratgelesen zu haben, daß in Ava (dem Lande der Burachmanen) das gute Prin-cip Godeman, (welches Wort in dem Namen ilsrius LoUoinaiiiius auchzu liegen scheint,) genannt werde; und da das Wort Ahriman mit dem argeMann sehr gleichlautct, das jetzige Persische auch eine Menge ursprünglichdeutscher Wörter enthält; so mag cs eine Aufgabe für den Alterthumsforschersein, auch an dem Leitfaden der Sprachverwandtschaft dem Ursprüngeder jetzigen Religionsbegriffe mancher Völker nachzugchcn.