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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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383
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Vom Dunst und Afttrdikiist unter d. Herrschaftrc. Allgem.Anm. 383

gefallen haben, eben darum auch nicht für Jedermann Pflicht sein;weil ein Mittel nur dem vorgeschrieben werden kann, der es zu

übernatürlichen Einfluss möglich wäre, (oder wir wenigstens ihn blos daher er-warteten, weil wir uns nicht selbst darum bemühen wollen, wie z. B. dieSinnesänderung, das Anziehen des neuen Menschen, die Wiedergeburt ge-nannt;) so ist cs doch so gar sehr ungewiß, ob Gott es seiner Weisheit ge-mäß finden werde, unseren (selbstverschuldeten) Mangel übernatürlicherWeise zu ergänzen, dass man eher Ursache hat, das Gegentheil zu erwarten.Der Mensch kan» also selbst hierum nicht im Glauben beten. Hieraus lässtsich aufklären, was es mit einem wunderthucnden Glauben, (der immerzugleich mit einem inneren Gebet verbunden sein würde,) für eine Bcwand-niß haben könne. Da Gott dem Menschen keine Kraft verleihen kann, über-natürlich zu wirken, (weil Las ein Widerspruch ist,) da der Mensch seinerseitsnach den Begriffen, die er sich von guten in der Welt möglichen Zweckenmacht, was hierüber die göttliche Weisheit urtheilt, nicht bestimmen, undalso vermittelst des in und von ihm selbst erzeugten Wunsches die göttlicheMacht zu seinen Absichten nicht brauchen kan»; so lässt sich eine Wundergabe,eine solche nämlich, da cs am Menschen selbst liegt, ob er sie hat, oder nichthak, (wenn ihr Glauben hattet, wie ein Senfkorn u. s. w.") nach demBuchstaben genommen, gar nicht denken. Ein solcher Glaube ist also, wenner überall etwas bedeuten soll, eine blose Idee von der überwiegenden Wich-tigkeit der moralischen Beschaffenheit des Menschen, wenn er sie in ihrer gan-zen Gott gefälligen Vollkommenheit, (die er doch nie erreicht,) besäße, überalle andere Bewegursachen, die Gott in seiner höchsten Weisheit haben mag,mithin ein Grund, vertrauen zu können, dass, wenn wir das ganz warenoder einmal würden, was wir sein sollen und (in der beständigen Annähe-rung) sein könnten, die Natur unseren Wünsche», die aber selbst alsdcnn nieunweise sein würden, gehorchen müsste-

Was aber die Erbauung betrifft, die durchs Kirchengchen beabsichtigtwird, so ist das öffentliche Gebet darin zwar auch kein Gnadenmittel, aberdoch eine ethische Feierlichkeit, es sei durch vereinigte Anstimmung des Glau-bens-Hymnus, oder auch durch die förmlich durch den Mund des Geistlichenim Namen der ganzen Gemeinde an Gott gerichtete, alle moralische Ange-legenheit der Menschen in sich fastende Anrede, welche, da sie diese als öf-fentliche Angelegenheit vorstellig macht, wo der Wunsch eines Jeden mitden Wünschen Aller zu einerlei Zwecke (der Herbeiführung des Reichs Gottes)als vereinigt vorgestellt werden soll, nicht allein die Rührung bis zur sittli-chen Begeisterung erhöhen kann, (anstatt daß die Privatzebcte, da sie ohnediese erhabene Idee abgelegt werden, durch Gewohnheit Len Einfluß aufsGcmüth nach und nach ganz verlieren,) sondern auch mehr Vernunstgrundfür sich hat, als die crstere, den moralischen Wunsch, der den Geist Lcö Ge-bets uusmacht, in förmliche Anrede zu kleiden, ohne doch hiebei an Vergegen-wärtigung des höchsten Wesens, oder eigene besondere Kraft dieser redneri-sche» Figur, als eines Gnadcnmittels, zu denken. Denn cs ist hier eine be-