382 Religion innerhalb d. Grenzen d. blosen Vernunft. IV. Drück.
tels zu wiederholter Belebung jener Gesinnung in uns selbst beisich führen, unmittelbar aber keine Beziehung aufs göttliche Wohl-
solcher gereinigte» Religionsbegriffe eingeschränkten Menschen Lenkt, den einAnderer, ich will nicht sagen, ini lauten Beten, sondern auch nur in derdieses anzeigenden Gebehrdung überrascbtc. Man wird, ohne daß ich essage, von selbst erwarten, daß jener darüber in Verwirrung oder Verlegen-heit, gleich als über einen Zustand, dessen er sich zu schämen habe, gcrathenwerde. Warum das aber? Daß ein Mensch mit sich selbst laut redend be-troffen wird, bringt ihn vor der Hand in den Verdacht, daß er eine kleineAnwandlung von Wahnsinn habe; und ebenso beurtheilt man ihn (nicht ganzmit Unrecht), wenn man ihn, da er allein ist, auf einer Beschäftigung oderGebehrdung betrifft, die der nur haben kann, welcher Jemand außer sich vorAugen hat, was doch in dem angenommenen Beispiele der Fall nicht ist.— Der Lehrer des Evangeliums hat aber den Geist des Gebets ganz vor-trefflich in einer Formel ausgcdrückt, welche dieses und hiemit auch sich selbst(als Buchstaben) zugleich entbehrlich macht. I» ihr findet man nichts, alsLen Vorsatz zum guten Lebenswandel, der, mit dem Bewußtsein unserer Ge-brechlichkeit verbunden, einen beständigen Wunsch enthält, ein würdigesGlied im Reiche Gottes z» sein; also keine eigentliche Bitte um Etwas, wasuns Gott nach seiner Weisheit auch wohl verweigern könnte, sondern einenWunsch, der, wenn er ernstlich (thätig) ist, seinen Gegenstand (ein Gottwohlgefälliger Mensch zu werden) selbst hervorbringt. Selbst der Wunschdes Erhaltungsmittels unserer Eristenz (des Brods) für einen Lag, da esausdrücklich nicht auf die Fortdauer derselben gerichtet ist, sondern die Wir-kung eines blos thierische» gefühlten Bedürfnisses ist, ist mehr ein Bekennt-nis; Lessen, was die Natur in uns will, als eine besondere überlegte Bittedessen, was der Mensch will; dergleichen die um das Brod auf den andere»Lag sein würde; welche hier deutlich genug ausgeschlossen wird. — Ein Ge-bet dieser Art, das in moralischer, (nur durch die Idee von Gott belebter)Gesinnung geschieht, weil es als der moralische Geist des Gebets seinen Ge-genstand (Gott wohlgefällig zu sein) selbst hervorbringt, kann allein imGlauben geschehen; welches Letztere soviel heißt, als sich der Erhörlich-keit derselben versichert zu halten; von dieser Art aber kann nichts, alsdie Moralität in uns sein. Denn wenn die Bitte auch nur auf das Brodfür den heutigen Tag ginge, so kann Niemand sich von der Erhörlichkeitdesselben versichert halten, L. i. daß cs mit der Weisheit Gottes nothwendigverbunden sei, sie ihm zu gewähren; cs kann vielleicht mit derselben besserzusammenstimmen, ihn an diesem Mangel heute sterben zu lassen. Auch istes ein ungereimter und zugleich vermessener Wahn, durch die pochende Zu-dringlichkeit des Bittens zu versuchen, ob Gott nicht von dem Plane seinerWeisheit (zum gegenwärtige» Vortheil für u»S) abgcbracht werden könne.Also könne» wir kein Gebet, was einen nicht moralischen Gegenstand hat, mitGewißheit für erhörlich halten, d. i. um so Etwas nicht im Glaubenbeten. Ja sogar: ob der Gegenstand gleich moralisch, aber doch nur durch
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