Vom Dienst u. Afterdienst unter d-Herrschaft ic. Allgem. Anm. 381
mittel.) — Won den zwei ersten erkünstelten Glaubensarten habenwir in den allgemeinen Anmerkungen zu den beiden nächstvor-hcrgehcnden Stücken dieser Schrift gehandelt. Es ist uns also jetztnoch übrig von den Gnadenmittcln'zu handeln, (die von Gna-denwirkungen*) d. i. übernatürlichen moralischen Einflüssen,noch unterschieden sind, bei denen wir uns blos leidend verhalten,deren vermeinte Erfahrung aber ein schwärmerischer Wahn ist, derblos zum Gefühl gehört).
1. Das Beten, als ein innerer förmlicher Gottesdienstund darum als Gnadenmittel gedacht, ist ein abergläubischer Wahn(ein Fetischmachen); denn cs ist ein blos erklärtes Wünschen,gegen ein Wesen, das keiner Erklärung der inneren Gesinnung desWünschenden bedarf, wodurch also nichts gethan, und also keinevon den Pflichten, die uns als Gebote Gottes obliegen, ausgeübt,mithin Gott wirklich nicht gedient wird. Ein herzlicher Wunsch,Gott in allem unserem Thun und Lassen wohlgefällig zu sein, d. i.die alle unsere Handlungen begleitende Gesinnung, sie, als ob sieim Dienste Gottes geschehen, zu betreiben, ist der Geist des Ge-bets, der „ohne Unterlaß" in uns Statt finden kann und soll.Diesen Wunsch aber, (es sei auch nur innerlich,) in Worte undFormeln einzukleidcn**), kann höchstens nur den Werth eines Mit-
*) ch) S. Allgemeine Anmerkung zum ersten Stück.
**) In jenem Wunsch, als dem Geiste des Gebets, sucht der Menschnur auf sich selbst (zu Belebung seiner Gesinnungen vermittelst der Ideevon Gott), in diesem aber, da er sich durch Worte, mithin äusierlich er-klärt, auf Gott zu wirken. Im crstercn Sinn kann ein Gebet mit vollerAufrichtigkeit Statt finden, wenngleich der Mensch sich nicht anmaßt, selbstdas Dasein Gottes als völlig gewiß betheucrn zu können; in der zweitenForm als Anrede nimmt er diesen höchsten Gegenstand als persönlich gegen-wärtig an, oder stellt sich wenigstens (selbst innerlich) so, als ob er von seinerGegenwart überführt sei, in der Meinung, daß, wenn cs auch nicht so wäre,cs wenigstens nicht schaden, vielmehr ihm Gunst verschaffen könne; mithinkann in dem letzteren (buchstäbliche») Gebet die Aufrichtigkeit nicht so voll-kommen angetroffen werden, wie im ersteren (dem Klüsen Geiste desselben).— Die Wahrheit der letzteren Anmerkung wird ein Jeder bestätigt finden,wenn er sich einen frommen und gutmcincndcn, übrigens aber in Ansehung
-ß) Zusatz der 2. Ausgabe.