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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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380
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38tt Religion innerh d. Grenzen d. blosen Vernunft. IV. Stück.

Mensch doch noch einen Schleichweg, jene beschwerliche Bedingungzu umgehen, nämlich daß, wenn er nur die Weise (die Förm-lichkeit) begeht, Gott das wohl für die Thal selbst annehmen würde;welches denn freilich eine überschwengliche Gnade desselben genanntwerden müßte, wenn es nicht vielmehr eine im faulen Vertrauenerträumte Gnade, oder wohl gar ein erheucheltes Vertrauen selbstwäre. Und so hat sich der Mensch in allen öffentlichen Glaubens-arten gewisse Gebräuche als Gnadenmittel ausgcdacht, ob siegleich sich nicht in allen, sowie in der christlichen, auf praktischeWernunftbegriffe und ihnen gemäße Gesinnungen beziehen; (als z.B.in der Muhammedanischcn von den fünf großen Geboten, das Wa-schen, das Beten, das Fasten, das Almosengeben, die Wallfahrtnach Mekka; wovon das Almosengeben allein ausgenommen zuwerden verdienen würde, wenn es aus wahrer tugendhafter undzugleich religiöser Gesinnung für Menschenpflicht geschähe, und soauch wohl wirklich für ein Gnadcnmittel gehalten zu werden ver-dienen würde; da es hingegen, weil cs nach diesem Glauben garwohl mit der Erpressung dessen, was man in der Person der Ar-men Gott zum Opfer darbietet, von Anderen, zusammen bestehenkann, nicht ausgenommen zu werden verdient.)

Es kann nämlich dreierlei Art von Wahn glauben, der unsmöglichen Ueberschreilung der Grenzen unserer Vernunft in An-sehung des Uebernatürlichen, (das nicht nach Vernunftgesetzen einGegenstand weder des theoretischen noch praktischen Gebrauchs ist,)geben. Erstlich der Glaube, etwas durch Erfahrung zu erkennen,was wir doch selbst, als nach vbjectivcn Erfahrungsgesetzen ge-schehend, unmöglich annehmcn können; (der Glaube an Wun-der.) Zweitens der Wahn, das, wovon wir selbst durch dieVernunft uns keinen Begriff machen können, doch unter unsereVernunftbegriffe, als zu unserem moralischen Besten nöthig, auf-nchmen zu müssen; (der Glaube an Geheimnisse.) Drittensder Wahn, durch den Gebrauch bloser Naturmittel eine Wirkung,die für uns Geheimniß ist, nämlich den Einfluß Gottes auf unsereSittlichkeit, Hervorbringen zu können; (der Glaube an Gnadcn-

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