378 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. IV. Stück.
kcn, und da gibl's, um des himmlischen Beistandes würdig zuwerden, nichls Anderes (und kann auch kein Anderes geben), alsernstliche Bestrebung, seine sittliche Beschaffenheit nach aller Mög-lichkeit zu bessern und sich dadurch der Vollendung ihrer Angemes-senheit zum göttlichen Wohlgefallen, die nicht in seiner Gewalt ist,empfänglich zu machen, weil jener göttliche Beistand, den er erwar-tet, selbst eigentlich doch nur seine Sittlichkeit zur Absicht hat.Daß aber der unlautere Mensch ihn da nicht suchen werde, sondernlieber in gewissen sinnlichen Veranstaltungen, (die er freilich inseiner Gewalt hat, die aber auch für sich keinen besseren Menschenmachen können und nun doch übernatürlicher Weise dieses bewirkensollen,) war wohl schon »priori zu erwarten, und so findet es sichauch in der That. Der Begriff eines sogenännten Gnade »mit-tels, ob er zwar (nach dem, was eben gesagt worden,) in sichselbst widersprechend ist, dient hier doch zum Mittel einer Selbst-täuschung, welche eben so gemein, als der wahren Religion nach-theilig ist.
Der wahre (moralische) Dienst Gottes, den Gläubige, als zuseinem Reich gehörige Unterthanen, nicht minder aber auch (unterFrciheitsgesetzen) als Bürger desselben zu leisten haben, ist zwar,sowie dieses selbst, unsichtbar d. i. ein Dienst der Herzen (imGeist und in der Wahrheit), und kann nur in der Gesinnung, derBeobachtung aller wahren Pflichten als göttlicher Gebote, nicht inausschließlich für Gott bestimmten Handlungen bestehen- Allein dasUnsichtbare bedarf doch beim Menschen durch etwas Sichtbares(Sinnliches) repräsentirt, ja, was noch mehr ist, durch dieses zumBehuf des Praktischen begleitet, und obzwar es intellektuell ist,gleichsam (nach einer gewissen Analogie) anschaulich gemacht zu werden;welches, obzwar ein nicht wohl entbehrliches, doch zugleich ver Ge-fahr der Mißdeutung gar sehr unterworfenes Mittel ist, unsunsere Pflicht im Dienste GotteS nur vorstellig zu machen, durcheinen uns überschleichenden Wahn doch leicbtlich für den Gottes-dienst selbst gehalten und auch gemeiniglich so benannt wird.
Dieser angebliche Dienst Gottes auf seinen Geist und seine
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