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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
Entstehung
Seite
377
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Vom Dienst u. Asterdienst unter d. Herrschaft^. Allgem. Anm. 3^7

Pflicht ein Genüge zu thun, ist transscendent und eine blosc Idee,von deren Realität uns keine Erfahrung versichern kann. Aderselbst als Idee in blos praktischer Absicht sie anzunehmcn, 'st siesehr gewagt und mit der Vernunft schwerlich vereinbar; weil, wasuns als sittliches gutes Verhalten zugerechnet werden soll, nichtdurch fremden Einfluß, sondern nur durch den bestmöglichen Ge-brauch unserer eigenen Kräfte geschehen müßte. Allein die Unmög-lichkeit davon, (daß Beides neben einander Statt finde,) läßt sichdoch eben auch nicht beweisen, weil die Freiheit selbst, obgleich sienichts Uebcrnatürliches in ihrem Begriffe enthalt, gleichwohl ihrerMöglichkeit nach uns eben so unbegreiflich bleibt, als das Ueber-nalürliche, welches man zum Ersatz der selbstthätigen, aber mangel-haften Bestimmung derselben annchmen möchte.

Da wir aber von der Freiheit doch wenigstens die Gesetze,nach welchen sie bestimmt werden soll, (die moralischen) kennen,von einem übernatürlichen Beistände aber, ob eine gewisse in unswahrgenommenc moralische Stärke wirklich daher rühre, oder auch,in welchen Fällen und unter welchen Bedingungen sie zu erwartensei, nicht das Mindeste erkennen können, so werden wir außer derallgemeinen Voraussetzung, daß, was die Natur in uns nicht ver-mag, die Gnade bewirken werde, wenn wir jene (d. i. unsere eige-nen Kräfte) nur nach Möglichkeit benutzt haben, von dieser Ideeweiter gar keinen Gebrauch machen können; weder wie wir (nochaußer der stetigen Bestrebung zum guten Lebenswandel) ihre Mit-wirkung auf uns ziehen, noch wie wir bestimmen könnten, in wel-chen Fällen wir uns ihrer zu gewärtigen haben. Diese Idee istgänzlich überschwenglich, und es ist überdcm heilsam, sich von ihr,als einem Hciligthum, in ehrerbietiger Entfernung zu halten, damitwir nicht in dem Wahne selbst Wunder zu thun, oder Wunder inuns wahrzunehmen, uns für allen Vernunstgebrauch untauglich ma-chen, oder auch zur Trägheit cinladcn lassen, das, was wir in unsselbst suchen sollten, von Oben herab in passiver Muße zu erwarten.

Nun sind Mittel alle Zwischenursachen, die der Mensch inseiner Gewalt hat, um dadurch eine gewisse Absicht zu bewir-