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Vom Dienst u. Afterdienst unter d. Herrschaft-c. H.THl. tz. 4. 375
Gewissen, (und mehr kann von einem Menschen nicht verlangt wer-den;) dagegen ist die höchste Gefahr und Unsicherheit bei dem ver-meinten Klugheitsmittcl, die nachthciligcn Folgen, die mir aus demNicklbekennen entspringen dürften, listiger Weise zu umgehen, und da-durch, daß man cs mit beidcn Parteien hält, es mit beiden zu verderben.—Wenn sich der Verfasser eines Symbols, wenn sich der Lehrereiner Kirche, ja jeder Mensch, sofern er innerlich sich selbst dieUeberzeugung von Sätzen als göttlichen Offenbarungen gestehen soll,fragte: getrauest du dich wohl in Gegenwart des Hcrzenskündigersmit Verzichtthuung auf Alles, was dir werth und heilig ist, dieserSatze Wahrheit zu bethcuern? so müßte ich von der menschlichen,(des Guten doch wenigstens nicht ganz unfähigen) Natur einen sehrnachtheiligen Begriff haben, um nicht vorauszuschen, daß auch derkühnste Glaubenslehrer hiebei zittern müßte*). Wenn das aber soist, wie reimt es sich mit der Gewissenhaftigkeit zusammen, gleich-wohl auf eine solche Glaubenserklärung, die keine Einschränkungzuläßt, zu dringen, und die Vermessenheit solcher Bctheurungensogar selbst für Pflicht und gottesdienstlich auszugeben, dadurch aberdie Freiheit der Menschen, die zu Allem, was moralisch ist, (der-gleichen die Annahme einer Religion,) durchaus erfordert wird,gänzlich zu Boden zu schlagen und nicht einmal dem guten WillenPlatz einzuräumen, der da sagt: „Ich glaube, lieber Herr, hilfmeinem Unglauben**)!"
*1 -j-> Der nämliche Mann, der so dreist ist zu sagen: wer an diese oderjene Geschichtslehre als eine theure Wahrheit nicht glaubt, der ist verdammt,der müßte doch auch sagen können: wenn das, was ich euch hier erzähle,nicht wahr ist, so will ich verdammt sein! — Wenn cs Jemand gäbe,der einen solchen schrecklichen Ausspruch thun könnte, so würde ich rathen,sich in Ansehung seiner nach dem Persischen Sprichwort von einem Hadgizu richten: ist Jemand einmal (als Pilgrim) in Mekka gewesen, so ziehe ausdem Hause, worin er mit dir wohnt; ist er zweimal da gewesen, so zieheaus derselben Straße, wo er sich befindet; ist er aber dreimal da gewesen,so verlasse die Stadt, oder gar das Sand, wo er sich aufhält.
**) -s-) O Aufrichtigkeit! du Asträa, die du von der Erde zum Him-mel entflohen bist, wie zieht man dich, (die Grundlage des Gewissens, mit-
ch) Beide Anmerkungen sind Zusatz der 2. Ausg.
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