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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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356
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356 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. IV. Stück.

in der Art, ihm gleichsam mechanisch zu dienen, kein wesentlicherUnterschied, welcher der einen vor der anderen einen Vorzug gebe.Sie sind alle, dem Werth (oder vielmehr Unwerth) nach, einerlei,und cs ist blose Ziererei, sich durch feinere Abweichung vomalleinigen intellektuellen Princip der ächten Gottesverehrung für aus-erlesener zu halten, als die, welche sich eine vorgeblich gröbereHerabsetzung zur Sinnlichkeit zu Schulden kommen lassen. Ob derAndächtler seinen statutenmäßigen Gang zur Kirche, oder ob ereine Wallfahrt nach den Heiligthümern in Loretto oder Palästinaanstellt, ob er seine Gebelsformel mit den Lippen, oder, wie derTibetaner, (welcher glaubt, daß diese Wünsche auch schriftlich auf-gesetzt, wenn sie nur durch irgend etwas z. B. auf Flaggen ge-schrieben durch den Wind, oder in eine Büchse eingeschloffen alseine Schwungmaschinc mit der Hand bewegt werden, ihren Zweckeben so gut erreichen,) es durch ein Gebet- Rad an die himmlische Be-hörde bringt, oder was für ein Surrogat des moralischen DienstesGottes es auch immer sein mag, das ist Alles einerlei und vongleichem Werth. — Es kömmt hier nicht sowohl auf den Unter-schied in der äußeren Form, sondern Alles auf die Annehmung oderNerlassung des alleinigen Princips an, Gott entweder nur durchmoralische Gesinnung, sofern sie sich in Handlungen, als ihrer Er-scheinung, als lebendig darstcllt, oder durch frommes Spielwerkund Nichtsthuerei wohlgefällig zu werden'). Gibt es aber nichtetwa auch einen sich über die Grenzen des menschlichen Vermögenserhebenden schwindligen Tugendwahn, der wohl mit dem kriechen-

*) Es ist eine psychologische Erscheinung: daß die Anhänger einer Con-fession, bei der etwas weniger Statutarisches zu glauben ist, sich dadurchgleichsam veredelt und als aufgeklärter suhlen; ob sic gleich noch genug davonübrig behalten haben, um eben nicht, (wie sie doch wirklich thun,) von ihrervermeinten Höhe der Reinigkeit auf ihre Milbrüder im Kirchenwahne nutVerachtung herabsehen zu dürfen. Die Ursache hievon ist, daß sie sich dadurcb,so wenig es auch sei, der reinen moralischen Religio» doch etwas genähertfinden, ob sie gleich dem Wahne immer noch anhänglich bleiben, sie durchfromme Obsi'rvanzen, wobei nur weniger passive Vernunft ist, ergänzenzu wollen-

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