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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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357
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Vom Dienst u. Asterdienst unter d. Herrschaft-c. II. Thl- tz. 2. 35?

dm Religionswahn in die allgemeine Klasse der Selbsttäuschungengezählt werden könnte? Nein, die Tugendgesinnung beschäftigt sichmit etwas Wirklichem, was für sich selbst Gott wohlgefällig istund zum Weltbesten zufammenstimmt. Zwar kann sich dazu einWahn des Eigendünkels gesellen, der Idee seiner heiligen Pflichtsich für adäquat zu halten; das ist aber nur zufällig. In ihr aberden höchsten Werth zu setzen, ist kein Wahn, wie etwa der in kirch-lichen Andachtübungcn, sondern baarer zum Weltbesten hinwirkenderBeitrag.

Es ist überdcm ein (wenigstens kirchlicher) Gebrauch, das, wasvermöge des Tugendprincips von Menschen gethan werden kann,Natur, was aber nur den Mangel alles seines moralischen Ver-mögens zu ergänzen dient und, weil dessen Zulänglichkeit auch füruns Pflicht ist, nur gewünscht, oder auch gehofft und erbeten werdenkann, Gnade zu nennen, beide zusammen als wirkende Ursacheneiner zum Gott wohlgefälligen Lebenswandel zureichenden Gesin-nung anzusehen, sie aber auch nicht blos von einander zu unter-scheiden, sondern einander wohl gar entgegenzusetzen.

Die Ueberredung, Wirkungen der Gnade von denen der Natur(der Tugend) unterscheiden, oder die ersteren wohl gar in sich her-vorbringcn zu können, ist Schwärmerei; denn wir können wedereinen übersinnlichen Gegenstand in der Erfahrung irgendworan er-kennen, noch weniger auf ihn Einfluß haben, um ihn zu uns her-abzuziehen, wenngleich sich im Gemüth bisweilen aufs Moralischehinwirkende Bewegungen ereignen, die man sich nicht erklären kannund von denen unsere Unwissenheit zu gestehen genöthigt ist: „derWind wehet, wohin er will, aber du weißt nicht, woher er kömmtu. s. w." Himmlische Einflüsse in sich wahrnehmen zu wollen,ist eine Art Wahnsinn, in welchem wohl gar auch Methode seinkann, (weil sich jene vermeinte innere Offenbarungen doch immer anmoralische, mithin an Vernunftideen anschließen müssen,) der aberdoch immer eine der Religion nachtheilige Selbsttäuschung bleibt.Zu glauben, daß es Gnadenwirkungen geben könne und vielleichtzu Ergänzung der Unvollkommenheit unserer Tugendbcstrebung auch

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