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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
Entstehung
Seite
323
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Von dem Siege des guten Pn'ncips über das böse. Allg. Anm. 32S

ist uns Alles, was wir bedürfen, (durch Vernunft und Schrift)hinreichend offenbart, und diese Offenbarung ist zugleich für jedenMenschen verständlich.

Daß der Mensch durchs moralische Gesetz zum guten Lebens-wandel berufen sei, daß er durch unauslöschliche Achtung für das-selbe, die in ihm liegt, auch zum Zutrauen gegen diesen gutenGeist und zur Hoffnung, ihm, wie es auch zugehe, genugthun zukönnen, Verheißung in sich finde, endlich, daß er die letztere Er-wartung mit dem strengen Gebot des ersteren zusammenhaltend, sich,als zur Rechenschaft vor einen Richter gefordert, beständig prüfenmüsse; darüber belehren, und dahin treiben zugleich Vernunft, Herzund Gewissen. Es ist unbescheiden, zu verlangen, daß uns nochmehr eröffnet werde, und wenn dieses geschehen sein sollte, müßteer cs nicht zum allgemeinen menschlichen Bedürfniß zählen.

Obzwar aber jenes, alle genannte in einer Formel befassende,große Geheimniß jedem Menschen durch seine Vernunft als prak-tisch nothwendige Rcligionsidee begreiflich gemacht werden kann,so kann man doch sagen, daß es, um moralische Grundlage derReligion, vornehmlich einer öffentlichen zu werden, damals allererstoffenbart worden, als es öffentlich gelehrt und zum Symboleiner ganz neuen Religionsepoche gemacht wurde. Solenne For-meln enthalten gewöhnlich ihre eigene, bloS für die, welche zueinem besonderen Verein (einer Zunft oder gemeinen Wesen) gehören,bestimmte, bisweilen mystische, nicht von Jedem verstandene Sprache,deren man sich auch billig (aus Achtung) nur zum Behuf einerfeierlichen Handlung bedienen sollte, (wie etwa, wenn Jemand ineine sich von Anderen aussondernde Gesellschaft als Glied ausge-nommen werden soll.) Das ff) höchste, für Menschen nie völligerreichbar Ziel der moralischen Vollkommenheit endlicher Geschöpfeist aber die Liebe des Gesetzes.

Dieser Idee gemäß würde es in der Religion ein Glaubens-princip sein:Gott ist die Liebe;" in ihm kann man den Lieben-