^78 Religion i'nnerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. HI. Stück.
als Vehikel und Mittel der öffentlichen Vereinigung der Menschenzur Beförderung des letzteren beigegeben werde, so muß man aucheingestehen, daß die unveränderliche Aufbehaltung desselben, die all-gemeine einförmige Ausbreitung, und selbst die Achtung für die inihm angenommene Offenbarung schwerlich durch Tradition, son-dern nur durch Schrift, die selbst wiederum als Offenbarung fürZeitgenossen und Nachkommenschaft ein Gegenstand der Hochachtungsein muß, hinreichend gesorgt werden kann ; denn das fördert das Be-dürfniß der Menschen, um ihrer gottesdienstlichen Pflicht gewiß zu sein.Ein heiliges Buch erwirbt sich selbst bei denen (und gerade bei diesenam Meisten), die cs nicht lesen, wenigstens sich daraus keinen zu-sammenhängenden Religionsbegriff machen können, die größte Ach-tung, und alles Vernünfteln verschlägt nichts wider den alle Ein-würfe niederschlagenden Machtspruch: da steht's geschrieben.Daher heißen auch die Stellen desselben, die einen Glaubcnspunctdarlegen sollen, schlechthin Sprüche. Die bestimmten Auslegereiner solchen Schrift sind eben durch dieses ihr Geschäft selbst gleich-sam geweihte Personen, und die Geschichte beweist, daß kein aufSchrift gegründeter Glaube selbst durch die verwüstendstcn Staals-revolutionen hat vertilgt werden können; indessen daß der, so sichauf Tradition und alte öffentliche Observanzen gründete, in der Zer-rüttung des Staats zugleich seinen Untergang fand. Glücklich*).'wenn ein solches den Menschen zu Händen gekommenes Buch nebenseinen Statuten als Glaubensgesetzen zugleich die reinste moralischeReligionslehre mit Vollständigkeit enthält, die mit jenen (als Vehi-keln ihrer Introduktion) in die beste Harmonie gebracht werden kannin welchem Falle es, sowohl des dadurch zu erreichenden Zweckshalber, als wegen der Schwierigkeit, sich den Ursprung einer solchendurch dasselbe vorgegangenen Erleuchtung des Menschengeschlechts
*) Ein Ausdruck für alles Gewünschte, oder Wünschcnswerthe, was wirdoch weder vorauSsehcn, noch durch unsere Bestrebung nach ErfahrungSgcseßcnhcrbeiführen können; von dem wir «lso, wenn wir einen Grund nennen wol-len, keinen anderen, als eine gütige Vorsehung anführen können-
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