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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
Entstehung
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273
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Von dem Siege des guten Pri'ncips über das böse. i. Arh. V. 273

V.

Die Constitution einer jeden Kirche geht allemal vonirgend einem historischen (Offenbarungs-) Glaubenaus, den man den Kirchcnglauben nennen kann,und dieser wird am Besten auf eine heilige Schriftgegründet.

Der reine Reli gionsglaube ist zwar der, welcher alleineine allgemeine Kirche gründen kann; weil er ein bloser Vernunst-glaube ist, der sich Jedermann zur Ueberzeugung mittheilen läßt,indessen daß ein blos auf Facta gegründeter historischer Glaube sei-nen Einfluß nicht weiter ausbreiten kann, als soweit die Nachrich-ten, in Beziehung auf das Vermögen, ihre Glaubwürdigkeit zubeurtheilen, nach Zeit - und OrtSumständen hingelangen können.Mein es ist eine besondere Schwäche der menschlichen Natur daranSchuld, daß auf jenen reinen Glauben niemals soviel gerechnetwerden kann, als er wohl verdient, nämlich eine Kirche auf ihnallein zu gründen.

Die Menschen, ihres Unvermögens in Erkenntniß sinnlicherDinge sich bewußt, ob sie zwar jenem Glauben, (als welcher imAllgemeinen für sie überzeugend sein muß,) alle Ehre widerfahrenlassen, sind doch nicht leicht zu überzeugen: daß die standhafte Be-flissenheit zu einem moralischguten Lebenswandel Alles sei, wasGott von Menschen fordert, um ihm wohlgefällige Unterthanen inseinem. Reiche zu sein. Sie können sich ihre Verpflichtung nichtwohl anders, als zu irgend einem Dienst denken, den sie Gottzu leisten haben; wo es nicht sowohl auf den inneren moralischenWerth der Handlungen, als vielmehr darauf ankömmt, daß sieGott geleistet werden, um, so moralisch indifferent sie auch an sichselbst sein möchten, doch wenigstens durch passiven Gehorsam, Gottzu gefallen. Daß sie, wenn sie ihre Pflichten gegen Menschen(sich selbst und andere) erfüllen, eben dadurch auch göttliche Geboteausrichten, mithin in allem ihrem Thun und Lassen, sofern esKant s. W. VI. 18