Bon dem Siege des guten Pcincips über das böse. 1. Abth, I- 205
schon in seinem Begriffe die Zwangsfrciheit bei sich führt. Wün-schen kann es wohl jedes politische gemeine Wesen, daß in ihm aucheine Herrschaft über die Gemüther nach Tugendgesetzen angctroffenwerde; denn wo jener ihre Zwangsmittel nicht hinlangen, weil dermenschliche Richter das Innere anderer Menschen nicht durchschauenkann, da würden die Tugendgesinnungen das Verlangte bewirken.Wehe aber dem Gesetzgeber, der eine auf ethische Zwecke gerichteteVerfassung durch Zwang bewirken wollte! Denn er würde dadurchnicht allein gerade das Gegentheil der ethischen bewirken, sondernauch seine politische untergraben und unsicher machen. — Der Bür-ger des politischen gemeinen Wesens bleibt also, waS die gesetzge-bende Bcfugniß des letzteren betrifft, völlig frei: ob er mit anderenMitbürgern überdem auch in eine ethische Vereinigung treten, oderlieber im Naturzustände dieser Art bleiben wolle. Nur sofern einethisches gemeines Wesen doch auf öffentlichen Gesetzen beruhen,und eine daraus sich gründende Verfassung enthalten muß, werdendiejenigen, die sich freiwillig verbinden, in diesen Zustand zu treten,sich von der politischen Macht nicht, wie sie solche innerlich einrich-ten, oder nicht einrichten sollen, befehlen, aber wohl Einschränkun-gen gefallen lassen müssen, nämlich auf die Bedingung, daß darinnichts sei, was der Pflicht ihrer Glieder als Staatsbürger wi-derstreite; wiewohl, wenn die erstere Verbindung achter Art ist,das Letztere ohnedem nicht zu besorgen ist.
Ucbrigens, weil die Tugendpflichten das ganze menschliche Ge-schlecht angehen, so ist der Begriff eines ethischen gemeinen Wesensimmer auf das Ideal eines Ganzen aller Menschen bezogen, unddarin unterscheidet cs sich von dem eines politischen. Daher kanneine Menge in jener Absicht vereinigter Menschen noch nicht dasethische gemeine Wesen selbst, sondern nur eine besondere Gesellschaftheißen, die zur Einhelligkeit mit allen Menschen, (ja aller endlichenvernünftigen Wesen) hinstrcbt, um ein absolutes ethisches Ganze zuerrichten, wovon jede partiale Gesellschaft nur eine Vorstellung oderein Schema ist, weil eine jede selbst wiederum im Verhältnis; aufandere dieser Art als im ethischen Naturzustände, sammt allen Un-