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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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262
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L62 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. III. Stück.

Seine Bedürfnisse sind nur klein, und sein Gemüthszustand in Be-sorgung derselben gemäßigt und ruhig. Er ist nur arm (oder hältsich dafür), sofern er besorgt, daß ihn andere Menschen dafür hal-ten und darüber verachten möchten. Der Neid, die Herrschsucht,die Habsucht und die damit verbundenen feindseligen Neigungen be-stürmen alsbald seine an sich genügsame Natur, wenn er unterMenschen ist, und es ist nicht einmal nöthig, daß diese schon alsim Bösen versunken, und als verleitende Beispiele vorausgesetzt wer-den; cs ist genug, daß sie da sind, daß sie ihn umgeben, und daßsie Menschen sind, um einander wechselseitig in ihrer moralischenAnlage zu verderben und sich einander böse zu machen. Wenn nunkeine Mittel ausgefunden werden könnten, eine ganz eigentlich aufdie Verhütung dieses Bösen und zur Beförderung des Guten imMenschen abzweckende Vereinigung, als eine bestehende und sich im-mer ausbreitende, blos aus die Erhaltung der Moralität angelegteGesellschaft zu errichten, welche mit vereinigten Kräften dem Bösenentgegenwirktc; so würde dieses, soviel der einzelne Mensch auch ge-than haben möchte, um sich der Herrschaft desselben zu entziehen,ihn doch unabläßlich in der Gefahr des Rückfalls unter dieselbe er-halten. Die Herrschaft des guten Princips, sofern Menschen dazuhinwirken können, ist also, soviel wir einsehen, nicht anders erreich-bar, als durch Errichtung und Ausbreitung einer Gesellschaft nachTugendgesetzen und zum Behuf derselben; einer Gesellschaft, die demganzen Menschengeschlecht in ihrem Umfange sie zu beschließen, durch dieVernunft zur Aufgabe und zur Pflicht gemacht wird. Denn soallein kann für das gute Princip über das Böse ein Sieg gehofftwerden. Es ist von der moralischgesctzgcbendcn Vernunft außer denGesetzen, die sie jedem Einzelnen vorschreibt, noch überdem eine Fahneder Tugend als Vereinigungspunct für Alle, die das Gute lieben,auSgesteckt, um sich darunter zu versammeln, und so allererst überdas sie rastlos aufechtcnde Böse die Oberhand zu bekommen.

Man kann eine Verbindung der Menschen unter blosen Tugend-gesetzen nach Vorschrift dieser Idee eine ethische, und sofern dieseGesetze öffentlich sind, eine ethischbürgerliche (im Gegensatz der

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