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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
Entstehung
Seite
255
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Von dem Kampf des guten Prlnci'ps mit dem bösen. Allg. Anm. L5S

vernünftige Geistliche wird sich also wohl hüten, den Kopf der seinerSeelsorge Anbefohlnen mit Geschichtchen aus dem höllischen Pro-teus anzufüllcn und ihre Einbildungskraft zu verwildern. Wasaber die Wunder von der guten Art betrifft, so werden sie vonLeuten in Geschäften blos als Phrasen gebraucht. So sagt derArzt: dem Kranken ist, wenn nicht etwa ein Wunder geschieht,nicht zu helfen, d. i. er stirbt gewiß. Zu Geschäften gehörtnun auch das des Naturforschers, die Ursachen der Begebenheitenin dieser ihren Naturgesetzen aufzusuchen; ich sage, in den Natur-gesetzen dieser Begebenheiten, die er also durch Erfahrung belegenkann, wenn er gleich auf die Kenntniß dessen, was nach diesenGesetzen wirkt, an sich selbst, oder was sie in Beziehung auf einenanderen möglichen Sinn für uns sein möchten, Verzicht thun muß.Eben so ist die moralische Besserung des Menschen ein ihm oblie-gendes Geschäft, und nun mögen noch immer himmlische Einflüssedazu Mitwirken, oder zu Erklärung der Möglichkeit derselben fürnöthig gehalten werden; er versteht sich nicht darauf, weder siesicher von den natürlichen zu unterscheiden, noch sie und so gleich-sam den Himmel zu sich herabzuziehen; da er also mit ihnen un-mittelbar nichts anzufangen weiß, so statuirt*) er in diesemFalle keine Wunder, sondern, wenn er der Vorschrift der VernunftGehör gibt, so verfährt er so, als ob alle Sinnesänderung undBesserung lediglich von seiner eignen angewandten Bearbeitung ah-hinge. Aber daß man durch die Gabe, recht fest an Wundertheoretisch zu glauben, sie auch wohl gar selbst bewirken und soden Himmel bestürmen könne, geht zu weit aus den Schrankender Vernunft hinaus, um sich bei einem solchen sinnlosen Ein-falle lange zu verweilen**).

*)-s) Heißt so viel, als: er nimmt den Wunderglauben nicht in seineMaximen (weder der theoretischen noch praktischen Vernunft) auf, ohne doch ihr«Möglichkeit oder Wirklichkeit anzufechten.

**) Es ist eine gewöhnliche Ausflucht derjenigen, welche den Leichtgläu-bigen magische Künste vorgaukeln, oder sie solche wenigstens im Allge-

-j-) Zusatz der 2. Ausg.