254 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft, ll. Stück.
solchen Begebenheit verfährt, (außer dem allgemeinen mora-lischen, daß, was er thut, Alles gut sein werde; wodurch aberin Ansehung dieses besonderen Vorfalls nichts bestimmt wird.)Hier wird nun die Vernunft wie gelähmt, indem sie dadurch inihrem Geschäfte nach bekannten Gesetzen aufgehalten, durch keinneues aber belehrt wird, auch nie in der Welt davon belehrt zuwerden hoffen kann. Unter diesen sind aber die dämonischen Wun-der die allerunverträglichsten mit dem Gebrauche unserer Vernunft.Denn in Ansehung der theistischen würde sie doch wenigstensnoch ein negatives Merkmal für ihren Gebranch haben können,nämlich daß, wenn etwas als von Gott in einer unmittelbarenErscheinung desselben geboten vorgestellt wird, das doch geradezuder Moralität widerstreitet, bei allem Anschein eines göttlichenWunders, es doch nicht ein solches sein könne, (z. B. wenn einemWater befohlen würde, er solle seinen, so viel er weiß, ganz un-schuldigen Sohn tödtm;) bei einem angenommenen dämonischenWunder aber fällt auch dieses Merkmal weg, und wollte man da-gegen für solche das entgegengesetzte positive zum Gebrauch der Ver-nunft ergreifen, nämlich daß, wenn dadurch eine Einladung zueiner guten Handlung geschieht, die wir an sich schon als Pflichterkennen, sie nicht von einem bösen Geiste geschehen sei, so würdeman doch auch alsdann falsch greifen können; denn dieser verstelltsich, wie man sagt, oft in einen Engel des Lichts.
In Geschäften kann man also unmöglich auf Wunder rechnen,oder sie bei seinem Vernunftgebrauch, (und der ist in allen Fällendes Lebens nöthig,) irgend in Anschlag bringen. Der Richter, (sowundergläubig er auch in der Kirche sein mag,) hört das Vor-geben des Delinquenten von teuflischen Versuchungen, die er erlittenhaben will, so an, als ob gar nichts gesagt wäre; ungeachtet,wenn er diesen Fall als möglich betrachtete, es doch immer einigerRücksicht darauf wohl werth wäre, daß ein einfältiger gemeinerMensch in die Schlingen eines abgefeimten Bösewichts gerathen ist;allein er kann diesen nicht vorfordern, beide confrontiren, mit einemWorte, schlechterdings nichts Vernünftiges daraus machen. Der