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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
Entstehung
Seite
253
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Bon dem Kampf des guten PrlnclpS mit dem bösen. Allg.Anm. 253

Denn die alten Wunder waren nach und nach schon so bestimmt,und durch die Obrigkeit beschränkt, daß kein- Verwirrung im ge-meinen Wesen dadurch angerichtet werden konnte, wegen neuerWunderthäter aber mußten sie allerdings der Wirkungen halber be-sorgt sein, die sie auf den öffentlichen Ruhestand und die einge-führte Ordnung haben könnten. Wenn man aber fragt: was unterdem Worte Wunder zu verstehen sei, so kann man, (da unseigentlich nur daran gelegen ist, zu wissen, was sie für uns d. i.zu unserem praktischen Vernunftgebrauch seien,) sie dadurch erklären,daß sie Begebenheiten in der Welt sind, von deren Ursache unsdie Wirkungsgesetze schlechterdings unbekannt sind und bleibenmüssen. Da kann man sich nun entweder theistische oder dä-monische Wunder denken, die letzteren aber in eng lische (agatho-dämonische) oder teuflische (kakodämonische) Wunder eintheilen,von welchen aber die letzteren eigentlich nur in Nachfrage kommen,weil die guten Engel, (ich weiß nicht, warum,) wenig oder garnichts von sich zu reden geben.

Was die theistischen Wunder betrifft, so können wir unSvon den Wirkungsgesetzen ihrer Ursache, (als eines allmächtigen re.und dabei moralischen Wesens) allerdings einen Begriff machen,aber nur einen allgemeinen, sofern wir ihn als Weltschöpfcrund Regierer nach der Ordnung der Natur sowohl, als der mo-ralischen denken, weil wir von dieser ihren Gesetzen unmittelbarund für sich Kenntniß bekommen können, deren sich dann die Ver-nunft zu ihrem Gebrauche bedienen kann. Nehmen wir aber an,daß Gott die Natur auch bisweilen und in besonderen Fällen vondieser ihren Gesetzen abweichen lasse; so haben wir nicht den min-deßen Begriff, und können auch nie hoffen, einen von dem Gesetzezu bekommen, nach welchem Gott alsdann bei Veranstaltung einer

Wirkung und deren Große, sondern auf die Form des WcltlaufS d. i. aufdie Art, wie jene geschehe, ob natürlich oder übernatürlich, ankomme,und daß für Gott kein Unterschied des Leichten und Schweren zu denken sei-Was aber das Geheime der übernatürlichen Einflüsse betrifft, so ist einesolche absichtliche Verbergung der Wichtigkeit einer Begebenheit dieser Artnoch weniger angemessen.