250 Religion innerh. d. Grenzen d. bloscn Vernunft. H. Stück.
etwa die so oft beschuldigte Sinnlichkeit, sondern eine gewisse selbstverschuldete Verkehrtheit, oder wie man diese Bösartigkeit noch sonstnennen will, Betrug (bAussetv, Satanslist, wodurch das Bösein die Welt gekommen,) cntgegenwirkt; eine Verderbtheit, welchein allen Menschen liegt und durch nichts überwältigt werden kann,als durch die Idee des Sittlich-Guten in seiner ganzen Reinigkeit,mit dem Bewußtsein, daß sie wirklich zu unserer ursprünglichen An-lage gehöre, und man nur beflissen sein müsse, sie von aller un-lauteren Beimischung frei zu erhalten und sie tief in unsere Ge-sinnung aufzunehmen, um durch die Wirkung, die sie allmähligaufs Gemülh thut, überzeugt zu werden, daß die gefürchtetenMächte des Bösen dagegen nichts ausrichten, („die Pforten derHölle sie nicht überwältigen") können, und daß, damit wir nichtetwa den Mangel dieses Zutrauens abergläubisch durch Ex-piationen, die keine Sinnesänderung voraussetzen, oder schwär-merisch durch vermeinte (blos passive) innere Erleuchtungen er-gänzen, und so von dem auf Selbstthätigkeit gegründeten Gutenimmer entfernt gehalten werden, wir ihm kein anderes Merkmal,als das eines wohlgeführten Lebenswandels unterlegen sollen. —Uebrigens kann eine Bemühung, wie die gegenwärtige, in derSchrift denjenigen Sinn zu suchen, der mit dem Heiligsten,was die Vernunft lehrt, in Harmonie steht, nicht allein für erlaubt,sie muß vielmehr für Pflicht gehalten werden*), und man kannsich dabei desjenigen erinnern, was der weise Lehrer seinen Jün-gern von Jemanden sagte, der seinen besonderen Weg ging, wobeier am Ende doch auf ebendasselbe Ziel hinaus kommen mußte:„wehret ihm nicht; denn wer nicht wider uns ist, der ist für uns."
Allgemeine Anmerkung.
Wenn eine moralische Religion, (die nicht in Satzungen undObservanzen, sondern in der Herzensgesinnung zu Beobachtung aller
*) ch) Wobei man einräumcn kann, daji er nicht der einzige sei.ch) Zusatz der 2. Ausg.
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