Von dem Kampf des guten Princlps mit dem bösen. I. Abschn. 233
sinnung für von Grunde aus gebessert halten darf. Dagegen der,welcher selbst bei oft versuchtem Vorsatze zum Guten dennoch nie-mals fand, daß er dabei Stand hielt, der immer ins Böse zurück-sicl, oder wohl gar im Fortgänge seines Lebens wahrnehmen mußte.aus dem Bösen ins Aergere gleichsam als aus einem Abhange,immer tiescr gefallen zu sein, vernünftiger Weise sich keine Hoff-nung machen kann, daß, wenn er noch länger hier zu leben hätte,oder ihm auch ein künftiges Leben bevorstände, er es besser machenwerde, weil er bei solchen Anzeigen daS Verderben, als in seinerGesinnung gewurzelt, ansehen müßte. Nun ist das Erstere einBlick in eine unabsehliche, aber gewünschte und glückliche Zu-kunft, das Zweite dagegen in ein eben so unabsehliches Elend,d. i. Beides für Menschen, nach dem, was sie urtheilen können»in eine selige oder unselige Ewigkeit; Vorstellungen, die mächtiggenug sind, um dem einen Theil zur Beruhigung und Befestigungim Guten, dem anderen zur Aufweckung des richtenden Gewissens,um dem Bösen, so viel möglich, noch Abbruch zu thun, mithinzu Triebfedern zu dienen, ohne daß es nöthig ist, auch objectiveine Ewigkeit des Guten oder Bösen für das Schicksal des Menschendogmatisch als Lehrsatz vorauszusetzen*), mit welchen vermeinten
*) Es gehört unter die Fragen, aus denen der Frager, wenn sie ihmauch beantwortet werden könnten, doch nichts Kluges zu machen verstehenwürde, (und die man deshalb Kinderfragcn nennen könnte,) auch die:ob die Höllenstrafen endliche oder ewige Strafen sein werden? Würde dasErste gelehrt, so ist zu besorgen, daß Manche, (so wie Alle, die das Feg-feuer glauben, oder jener Matrose in Moore'S Resten,) sagen wurden:„so hoffe ich, ich werde cS auShalten können." Würde aber das Andere be-hauptet und zum GlaubcnSsymbol gezählt, so dürfte gegen die Absicht, dieman damit hat, die Hoffnung einer völligen Straflosigkeit »ach dem ruch-losesten Leben herauSkommcn. Denn da in den Augenblicken der späten Reue,am Ende desselben, der um Rath und Trost befragte Geistliche eö doch grau-sam und unmenschlich finden muß, ihm seine ewige Verwerfung anzukün-digen und er zwischen dieser und der völligen Lossprechung kein Mittleresstatuirt, (sondern entweder ewig, oder gar nicht gestraft,)-,-) so muß er ihmHoffnung zum Letzteren machen; d. i. ihn in der Geschwindigkeit zu einemGott wohlgefälligen Menschen umzuschaffen versprechen; da dann, weil zumEinschlagen in einen guten Lebenswandel nicht mehr Zeit ist, reuevoll« Be-
-j-) Die Worte: „(sondern entweder... gestraft,)" sind Zusatz der 2. AuSg.