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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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232 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft. II. Stück.

ihmdas Uebrige alles, (was physische Glückseligkeit betrifft,) zu-fallen werde."

Nun könnte man zwar den hierüber besorgten Menschen mitseinem Wunsche dahin verweisen:sein (Gottes) Geist gibt Zeug-niß unserm Geist" u. s. w. d. i. wer eine so lautere Gesinnung,als gefordert wird, besitzt, wird von selbst schon fühlen, daß er nieso tief fallen könne, das Böse wiederum lieb zu gewinnen, alleincs ist mit solchen vermeinten Gefühlen übersinnlichen Ursprungsnur mißlich bestellt; man täuscht sich nirgends leichter, als in dem,was die gute Meinung von sich selbst begünstigt. Auch scheint esnicht einmal rathsam zu sein, zu einem solchen Vertrauen aufgc-muntert zu werden, sondern vielmehr zuträglicher (für die Mora-lität),seine Seligkeit mit Furcht und Zittern zu schaffen",(ein hartes Wort, welches mißverstanden, zur finstersten Schwär-merei antreiben kann;) allein ohne alles Vertrauen zu seiner ein-mal angenommenen Gesinnung würde kaum eine Beharrlichkeit, inderselben fortzufahren, möglich sein. Dieses findet sich aber, ohnesich der süßen oder angstvollen Schwärmerei zu überliefern, aus derVergleichung seines bisher geführten Lebenswandels mit seinem ge-faßten Vorsatze. Denn der Mensch, welcher von der Epocheder angenommenen Grundsätze des Guten an ein genugsam langesLeben hindurch die Wirkung derselben auf die That, d. i. aufseinenzum immer Besseren fortschreitenden Lebenswandel wahrgenommenhat, und daraus auf eine gründliche Besserung in seiner Gesinnungnur vermuthungsweise zu schließen, Anlaß findet, kann doch auchvernünftiger Weise hoffen, daß, da dergleichen Fortschritte, wenn ihrPrincip nur gut ist, die Kraft zu den folgenden immer noch ver-größern, er in diesem Erdenlebcn diese Bahn nicht mehr verlassen,sondern immer noch muthiger darauf fortrücken werde, ja, wennnach diesem ihm noch ein anderes Leben bevorsteht, er unter an-deren Umständen allem Ansehen nach doch, nach ebendemselbenPrincip, fernerhin darauf fortfahren und sich dem, obgleich unerreich-baren Ziele der Vollkommenheit immer noch nähern werde, weiler nach dem, was er bisher an sich wahrgenommen hat, seine Ge-

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