L3V Religion innerh. d- Grenzen d. blosen Vernunft. 1l. Stück.
unsrige ist, sofern diese in einem jener Gesinnung völlig und ohneFehl gemäßen Lebenswandel bestehen müßte. Es muß aber docheine Zueignung der ersteren um der letzten willen, wenn diese mitder Gesinnung des Urbildes vereinigt wird, möglich sein, obwohlsie ffich begreiflich zu machen, noch großen Schwierigkeiten unter-worfen ist, die wir jetzt Vorträgen wollen.
e) Schwierigkeiten gegen die Realität dieser Idee und Auf-lösung derselben.
Die erste Schwierigkeit, welche die Erreichbarkeit jener Idee,der Gott wohlgefälligen Menschheit in uns, in Beziehung auf dieHeiligkeit des Gesetzgebers, bei dem Mangel unserer eigenen Ge-rechtigkeit, zweifelhaft macht, ist folgende. Das Gesetz sagt: „seidheilig (in eurem Lebenswandel), wie euer Vater im Himmel heiligist;" denn das ist das Ideal des Sohnes Gottes, welches unszum Borbilde ausgestellt ist. Die Entfernung aber des Guten,was wir in uns bewirken sollen, von dem Bösen, wovon wir aus-gehen, ist unendlich, und sofern, was die That d. i. die Ange-messenheit des Lebenswandels zur Heiligkeit des Gesetzes betrifft, inkeiner Zeit erreichbar. Gleichwohl soll die sittliche Beschaffenheitdes Menschen mit ihr übereinstimmen. Sie muß also in der Ge-sinnung, in der allgemeinen und lauteren Maxime der (Überein-stimmung des Verhaltens mit demselben, als dem Keime, worausalles Gute entwickelt werden soll, gesetzt werden, die von einemheiligen Princip ausgeht, welches der Mensch in seine oberste Maximeausgenommen hat. Eine Sinnesänderung, die auch möglich seinmuß, weil sie Pflicht ist. — Nun besteht die Schwierigkeit darin,wie die Gesinnung für die That, welche jederzeit (nicht über-haupt, sondern in jedem Zeitpunkte) mangelhaft ist, gelten könne.Die Auflösung derselben aber beruht darauf: daß die letztere, alsein continuirlicher Fortschritt von mangelhaftem Guten zum Besserenins Unendliche, nach unserer Schätzung, die wir in den Begriffendes Verhältnisses der Ursache und Wirkungen unvermeidlich aufZeilbedingungen eingeschränkt sind, immer mangelhaft bleibt; so,
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