Von dem Kampf des guten Pn'ncipS mit dem bösen. I. Abschn- S2S
Ebenderselbe göttlichgesinnte, aber ganz eigentlich menschlicheLehrer würde doch nichtsdestoweniger von sich, als ob das IdealdcS Guten in ihm leibhaftig (in Lehre und Wandel) dargestelltwürde, mit Wahrheit reden können. Denn er würde alsdann nurvon der Gesinnung sprechen, die er sich selbst zur Regel seiner Hand-lungen macht, die er aber, da er sie als Beispiel für Andere,nicht für sich selbst sichtbar machen kann, nur durch seine Lehrenund Handlungen äußerlich vor Augen stellt: „Wer unter euch kannmich einer Sünde zeihen?" Es ist aber der Billigkeit gemäß,daS untadelhafte Beispiel eines Lehrers zu dem, was er lehrt, wenndieses ohnedem für Jedermann Pflicht ist, keiner anderen, alsder lautersten Gesinnung desselben anzurechnen, wenn man keineBeweise des Gegcntheils hat. Eine solche Gesinnung mit allen,um des Weltbesten willen übernommenen Leiden, in dem Ideale derMenschheit gedacht, ist nun für alle Menschen zu allen Zeiten undin allen Welten, vor der obersten Gerechtigkeit vollgültig; wennder Mensch die (einige derselben, wie er es thun soll, ähnlich macht.Sie wird freilich immer eine Gerechtigkeit bleiben, die nicht die
machen,) schlechterdings aber nicht nach der Analogie von dem, was demElfteren zukömmt, daß eS auch dem Letzteren beigelcgt werden müsse, schlicßcn(und so seinen Begriff erweiteren) könne, und dieses zwar aus dem ganzeinfachen Grunde, weil ei» solcher Schluß wider alle Analogie laufen würde,der daraus, weil wir ei» Schema zu einem Begriffe, um ihn uns verständ-lich zu machen (durch ein Beispiel zu belegen), nothwcndig brauchen, dieFolge ziehen wollte, daß cS auch nothwcndig dem Gegenstand- selbst als seinPrädicat zukommen müsse. Ich kann nämlich nicht sagen: so wie ich mirdie Ursache einer Pflanze (oder jedes organischen Geschöpfes und überhauptder zwcckvollen Welt) nicht anders faßlich machen kann, als nach derAnalogie eines Künstlers in Beziehung auf sein Werk (eine Uhr), nämlichdadurch, daß ich ihr Verstand beilege; so muß auch die Ursache selbst (derPflanze der Welt überhaupt) Verstand haben; d. i- ihr Verstand beizu-leqen ist nicht bloö eine Bedingung meiner Faßlichkeit, sondern der Mög-lichkeit, Ursache zu sein, selbst. Zwischen dem Verhältnisse aber eines Schemazu seinem Begriffe und dem Verhältnisse eben dieses Schema dcS Begriffs zurSache selbst ist gar keine Analogie, sondern ein gewaltiger Sprung (,»-«-^ «t? -M» /-d»;). der gerade in den Anthropomorphismus hinein führt,wovon ich die Beweise anderwärts gegeben habe ff),ff) Vgl. Kritik d. UrtheilSkr. (Bd. VII, S. 351).