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6 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Philosophie der Religion
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228
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228 Religion innerh. d. Grenzen d. blosen Vernunft, tt. Stück.

und nahen Ausgang mit Augen vor mir sehe. Zwar würde derGedanke: daß jener göttliche Mensch im wirklichen Besitze dieserHoheit und Seligkeit von Ewigkeit war, (und sie nicht allererstdurch solche Leiden verdienen durfte,) daß er sich derselben für lauterUnwürdige, sogar für seine Feinde willig entäußerte, um sie vomewigen Verderben zu erretten, unser Gemüth zur Bewunderung,Liebe und Dankbarkeit gegen ihn stimmen müssen; imgleichen würdedie Idee eines Verhaltens nach einer so vollkommenen Regel derSittlichkeit für uns allerdings auch als Vorschrift zur Befolgunggeltend, er selbst aber nicht als Beispiel der Nachahmung, mit-hin auch nicht als Beweis der Thunlichkeit und Erreichbarkeit einesso reinen und hohen moralischen Guts für uns, uns vorgestelltwerden können*)

*) Es ist freilich eine Beschränktheit der menschlichen Vernunft, die docheinmal von ihr nicht zu trennen ist: daß wir uns keinen moralischen Werthvon Belange an den Handlungen einer Person denken können, ohne zugleichsie, oder ihre Acußcrung auf menschliche Weise vorstellig zu machen; obzwardamit eben nicht behauptet werden will, daß cs an sich 0«r' auch

so bewandt sei; denn wir bedürfen, um uns übersinnliche Beschaffenheitenfaßlich zu machen, immer einer gewissen Analogie mit Naturwcscn. So legtein philosophischer Dichter dem Menschen, sofern er einen Hang zum Bösenin sich zu bekämpfen hat, selbst darum, wenn er ihn nur zu überwältigenweiß, einen höheren Rang auf der moralischen Stufenleiter der Wesen bei,als selbst den Himmelsbcwohncrn, die, vermöge der Heiligkeit ihrer Natur,über alle mögliche Verleitung weggesetzt sind. (Die Welt mit ihren Mängelnist besser, als ein Reich von willenlosen Engeln. Haller.) Zu dieser Vor-stcllungsart bcguemt sich auch die Schrift, um die Liebe Gottes zum mensch-lichen Geschlecht uns ihrem Grade nach faßlich zu machen, indem sic ihm diehöchste Aufopferung beilegt, die nur ein liebendes Wesen thun kann, umselbst Unwürdige glücklich zu machen; (also hat Gott die Welt geliebt"u. s. w.) ob wir uns gleich durch die Vernunft keinen Begriff davon machenkönnen, wie ein allgcnugsames Wesen etwas von dem, was zu seiner Selig-keit gehört, aufopfern und sich eines Besitzes berauben könne. Das ist derSchematismus der Analogie (zur Erläuterung), den wir nicht ent-behren können. Diesen aber in einen Schematismus der O bjects be-stimm» ng (zur Erweiterung unseres Erkenntnisses) zu verwandeln istAn-th ro p o m o rp h ism u s, der in moralischer Absicht (in der Religion) vonLen nachtheiligsten Folgen ist. Hier will ich nur noch beiläufig anmerkcn,daß man im Aufsteigen vom Sinnlichen zum Ucbersinnlichen zwar wohl sche-matisiren, (einen Begriff durch Analogie mit etwas Sinnlichem faßlich