Von dom Kampf des guten Princips mit dem bösen. I. Abschn. 225
nommen,) kann nun der Mensch hoffen, Gott wohlgefällig (dadurchauch selig) zu werden; d. i. der, welcher sich einer solchen moralischenGesinnung bewußt ist, daß er glauben und auf sich gegründe-tes Vertrauen setzen kann, er würde unter ähnlichen Versuchungenund Leiden, (sowie sie zum Probirstein jener Idee gemacht werden,)dem Urbilde der Menschheit unwandelbar anhängig und seinem Bei-spiele in treuer Nachfolge ähnlich bleiben, ein solcher Mensch, undauch nur der allein ist befugt, sich für denjenigen zu halten, der eindes göttlichen Wohlgefallens nicht unwürdiger Gegenstand ist.
I>) Objectivc Realität dieser Idee-
Diese Idee hat ihre Realität in praktischer Beziehung vollstän-dig in sich selbst. Denn sie liegt in unserer moralisch gesetzgebendenVernunft. Wir sollen ihr gemäß sein, und wir müssen es daherauch können. Müßte man die Möglichkeit, ein diesem Urbildegemäßer Mensch zu sein, vorher beweisen, wie es bei Naturbegriffenunumgänglich nothwendig ist, (damit wir nicht Gefahr laufen, durchleere Begriffe hingehalten zu werden,) so würden wir ebensowohlauch Bedenken tragen müssen, selbst dem moralischen Gesetze das An-sehen einzuräumen, unbedingter und doch hinreichender Bestimmungs-grund unserer Willkühr zu sein; denn wie es möglich sei, daß dieblose Idee einer Gesetzmäßigkeit überhaupt eine mächtigere Triebfederfür dieselbe sein könne, als alle nur erdenklichen, die von Vortheilenhergenommen werden, das kann weder durch Vernunft eingesehen,noch durch Beispiele der Erfahrung belegt werden, weil, was dasErste betrifft, das Gesetz unbedingt gebietet, und das Zweite anlan-gend, wenn es auch nie einen Menschen gegeben hätte, der diesemGesetze unbedingten Gehorsam geleistet hätte, die objektive Nothwen-digkeit, ein solcher zu sein, doch unvermindert und für sich selbst ein-lmchtet. Es bedarf also keines Beispiels der Erfahrung, um dieIdee eines Gott moralisch wohlgefälligen Menschen für unS zumVorbilde zu machen; sie liegt als ein solches schon in unserer Ver-nunft. — Wer aber, uni einen Menschen für ein solches mit jenerIdee übereinstimmendes Beispiel zur Nachfolge anzucrkennen, nochKant s. W. VI. 15